Ärzte Zeitung, 27.11.2011

Kein Jubel über Einigung zur Organspende

Die Politik fordert eine Entscheidung. Ziel: Mehr Spenderorgane. Die Praktiker warten nun gespannt auf die Umsetzung.

Kein Jubel über die Einigung zur Organspende

Organspende-Ausweis: Experten bezweifeln, dass die Neuregelung mehr Organe bringt.

© Schöning / imago

BERLIN (af). Ein "positives Signal" an die rund 12.000 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, sieht der Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende in der Einigung aller Fraktionen des Bundestages auf die Entscheidungslösung bei der Organspende.

"Entscheidend ist jetzt, das gemeinsame Ziel, die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen, nicht nur zu vertreten, sondern im Transplantationsgesetz verbindlich festzuschreiben", sagte DSO-Chef Professor Günter Kirste.

Wie die Absichtserklärung der Politiker umgesetzt werde, sei noch offen, sagt Professor Roland Hetzer, Chef des Deutschen Herzzentrums in Berlin. Das Transplantationsgesetz sei ein Bundesgesetz, dessen Umsetzung Ländersache sei.

Weniger Spenderherzen seit der Neuregelung

Schon das Transplantationsgesetz von 1997 sei in die Richtung gegangen, die die Bundestagsfraktionen jetzt einschlagen. "Vor dem Gesetz hatten wir jedes Jahr 600 Spenderherzen in Deutschland, aktuell sind es nur noch 350", sagte Hetzer der "Ärzte Zeitung".

Die Organspendebereitschaft auch auf der Gesundheitskarte dokumentieren zu lassen findet bei den Experten breite Zustimmung. Dem Transplantationsmediziner Hetzer reicht dies allerdings nicht aus.

Auch bei der Ausgabe von Führerscheinen und Personalausweisen sollten die Menschen auf die Organspende angesprochen werden, fordert er.

Das Transplantationsgesetz verpflichtet die Krankenkassen und privaten Krankenversicherer heute schon dazu, ihren Versicherten "in regelmäßigen Abständen" Informationen zur Organspende und einen Organspendeausweis zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich geschieht dies aber nur eher selten.

Brysch: Ausweis bringt keine neuen Organe

Mehr Träger eines Organspendeausweises bedeuteten nicht mehr Spenderorgane, kommentierte Eugen Brysch die Verabredung zwischen den Fraktionen.

Tatsächlicher Grund des Mangels sei ein Organisationsversagen. Von 4000 Hirntoten im Jahr würden nur 1900 gemeldet.

Der Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung monierte weiter, dass die Politiker die "existenziellen Ängste" der Menschen nicht ernst nähmen.

Er forderte Aufklärung auch über die Art, wie ein Organspender stirbt und wie seine Organe durch private Organisationen verteilt würden.

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