Ärzte Zeitung, 23.01.2012

Organspende-Pläne: Kassen skeptisch

Lebendspender sollen besser abgesichert werden. Auf die Kassen könnten höhere Kosten zukommen. Deren Reaktionen sind verhalten.

Unfallversicherung soll die Kosten von Spätfolgen einer Lebendspende tragen

Organ im Einsatz: Lebendspender sollen künftig bessergestellt werden.

© Mathias Ernert

BERLIN (sun). Die durchschnittliche Wartezeit für eine Spenderniere beträgt in Deutschland fünf bis sieben Jahre. Viele Patienten können jedoch nicht so lange warten.

Spendet ein Angehöriger eine Niere, ließe sich die Wartezeit häufig deutlich verkürzen. Am Wochenende wurden nun Pläne der Regierung bekannt, dass Lebendspender künftig finanziell und rechtlich besser abgesichert werden sollen.

Die Techniker Krankenkasse begrüßte diesen Vorstoß: 2011 hätten 877 Menschen eine Lebendspende eines Angehörigen erhalten.

"Die Bereitschaft zu helfen, ist bei den Menschen sehr groß", sagte TK-Chef Norbert Klusen. Lebendspendern dürften aus ihrer großzügigen Hilfe keine Nachteile entstehen.

Bislang war dies jedoch häufig der Fall, so Experten: Traten Komplikationen auf, mussten sich die Spender oft mit ihren Krankenkassen um die Kostenübernahme für die Behandlung streiten.

Das betrachtet auch die Koalition als Problem: Zurzeit seien Menschen, die ihren Angehörigen eine Niere oder einen Teil der Leber spendeten, "unzureichend abgesichert", sagt FDP-Politiker Michael Kauch.

Kassen wollen Altruismus diskutieren

Lebendspender sollen künftig eine Entgeltfortzahlung und Krankengeld in voller Höhe ihres Nettoverdienstes bekommen. Die Kosten dafür seien von der Krankenkasse des Organ-Empfängers zu tragen.

Vor allem wolle die schwarz-gelbe Koalition mit ihren Plänen einen Streit zwischen Kasse und gesetzlicher Unfallversicherung über Behandlungskosten von Spätfolgen der Transplantation beenden.

"Künftig soll generell die Unfallversicherung für die Erstattung von Schäden zuständig sein", betonte Kauch. Die Beweislast, ob eine Erkrankung Spätfolge der Transplantation sei, werde zugunsten des Patienten umgekehrt.

Der GKV-Spitzenverband äußert sich verhalten: "Inwiefern dieser Altruismus zum Beispiel Arbeitgeber zu einer Lohnfortzahlung verpflichtet, muss ausführlich diskutiert werden, wenn die konkreten Pläne auf dem Tisch liegen", sagte die stellvertretende Verbands-Sprecherin Ann Marini.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Dr. Joachim Breuer, forderte die Koalition auf, klare Zuständigkeitsregelungen innerhalb der Sozialversicherung zu schaffen.

[24.01.2012, 08:51:26]
Dr. Karlheinz Bayer 
es geht doch wie immer nur ums Geld!

Sarkastisch könnte man jetzt sagen, es müßte doch eine Möglichkeit geben, den Lebendspender vorübergehend während der Organentnahme für tot zu erklären. Genau das tut man bei der Organentnahme bei "Verstorbenen", indem man sie für "hirntot" erklärt - und das allein ist schon ein Skandal. Aber Sarkasmus führt hier genauso wenig weiter wie rechtsmedizinische Spitzfindigkeiten zur Todesfeststellung.

ALLE Organspender sind Lebendspender, wenn man von wenigen Ausnahmen wie Hirn- oder Hornhäuten absieht.

Die finanziellen und die Versorgungsfragen, die hier aufgeworfen werden zeigen sehr deutlich, um was es wirklich geht, um einen Vorgang, bei dem sehr viel Geld im Spiel ist.

Das Transplantationsgesetz ist immer noch eines der umstrittensten Gesetze überhaupt. Diese Diskussion jetzt könnte, wenn sie richtig geführt wird, zu einer echten Versachlichung führen, weg von allen möglichen widersinnigen Regelungen und hin zu einer wahren Ethik im Sinn des Wortes.

Das Ziel muß es sein, daß Transplanteure morgens noch in den Spiegel schauen können, daß sich jeder von uns nicht ängstigen muß, als Unfallopfer für hirntot erklärt zu werden und daß Spender (Lebendspender!) wissen, auf was sie sich einlassen und mit welcher sozialen Absicherung sie rechnen können.

Diese Artikel ist in guter und wichtiger Beitrag.

Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »

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