Patienten bevorzugt

Münchner Uniklinik gibt Fehler bei Transplantationen zu

Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen auch in der Uniklinik rechts der Isar. Patienten wurden bevorzugt behandelt. "Wir haben Fehler gemacht, das ist keine Frage", sagte der Leiter des Transplantationszentrums, Professor Uwe Heemann

Veröffentlicht:

MÜNCHEN (dpa). In der Organspenden-Affäre hat das Münchner Uniklinikum rechts der Isar Versäumnisse eingeräumt. Einzelne Patienten seien dadurch bevorzugt behandelt worden, sagte Heemann der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe).

"Diese Folge gab es, weil in Einzelfällen auf den Meldebögen zum Beispiel fälschlicherweise angekreuzt wurde, der Patient erhalte eine Dialyse. Dadurch hat er schneller eine Spenderleber erhalten." Aus diesen Fehlern habe die Klinik aber gelernt und die Abläufe im Transplantationsprogramm verbessert.

Der Ärztliche Direktor der Klinik, Professor Reiner Gradinger, geht davon aus, dass es insgesamt um vier Fälle geht, bei denen Patienten unzulässig bevorzugt wurden, wie er dem Magazin "Spiegel" sagte.

Die Bundesärztekammer weist dem Bericht zufolge aber auf weitere Unregelmäßigkeiten hin: So soll ein Arzt der Klinik gegenüber der Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant verschwiegen haben, dass sein Patient an einer fortgeschrittenen Krebserkrankung litt. Trotz der schlechten Prognose habe der Patient eine neue Leber erhalten, sei aber bald darauf gestorben.

Klinik weist Montgomerys Darstellung zurück

Im Magazin "Focus" sprach Bundesärztekammerpräsident Dr. Frank Ulrich Montgomery von Patienten, die aufgrund ihrer fortgeschrittenen Tumorleiden keine Organe mehr erhalten dürfen. Die Klinik wies diese Vorwürfe am Samstag energisch zurück.

"So ist das nicht gewesen. Ich bin sehr überrascht über die Aussage von Herrn Montgomery", sagte Heemann auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die Untersuchung der Münchner Fälle sei noch nicht abgeschlossen, umso verwunderlicher seien die Vorwürfe.

Die Uniklinik hatte am Donnerstag Auffälligkeiten in einzelnen Fällen eingeräumt. Sie berief sich dabei auf den Bericht einer internen Arbeitsgruppe, die 163 Lebertransplantationen untersucht hatte.

Staatsanwaltschaft München weist Vergleich mit Göttingen und Regensburg zurück

Die Staatsanwaltschaft in München prüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt und schaltete einen Gutachter ein. Den von Ärztekammerpräsident Montgomery gezogenen Vergleich mit Fällen in Göttingen und Regensburg hatte die Behörde aber zurückgewiesen.

Nach Einschätzung von Heemann gab es in dem Klinikum keine kriminelle Handlungen oder Manipulationen. Er zeigte sich überzeugt, dass auch die Prüfungskommission zu keinen anderen Ergebnissen kommen werde.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Gegen den Organmangel

Transplantationsgesetz: Das ändert die Nieren-Überkreuzspende

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Eine Frau liegt erschöpft auf einem Sofa.

© fizkes / stock.adobe.com

Patientenumfrage

Krebs: So häufig sind Tumorschmerzen