Ärzte Zeitung, 21.06.2013

Kommentar zur Organspende nach Erfolgsaussicht

Ungerechtigkeit wird bleiben

Von Ingeborg Bördlein

Erfolgsprinzip oder Dringlichkeit? Das Dilemma der Verteilungsgerechtigkeit bei der Vergabe von Spenderorganen zeigte sich bei der Jubiläumsveranstaltung zum 20. Jahrestag der Patienten-Selbsthilfe Lebertransplantierter. So möchte der Heidelberger Klinikchef eines der größten Lebertransplantationszentren hierzulande, Professor Markus Büchler, die Erfolgsaussichten als Auswahlkriterium stärker berücksichtigt sehen.

Denn die Ergebnisse seien deshalb schlechter, weil nur Schwerstkranke den Zuschlag bekämen. Kann man einem Schwerkranken, der auf eine Leber wartet und "nur" eine 50-prozentige Überlebenschance hat, das Organ vorenthalten? Die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe Lebertransplantierter, Jutta Riemer, macht mit diesem Szenario die ethische Dimension des Erfolgsprinzips deutlich.

Dieses Entscheidungsdilemma muss interdisziplinär und anhand klarer Kriterien gelöst werden. Ob dafür der MELD-Score ausreicht oder noch andere medizinische Kriterien heranzuziehen sind, ist zu diskutieren.

Doch aufgrund des Organmangels ist nicht allein die medizinische Sinnhaftigkeit für die Verteilung ausschlaggebend, sondern es muss leider auch nach den knappen Ressourcen entschieden werden. Das birgt per se schon eine Ungerechtigkeit der Verteilung in sich.

Lesen Sie dazu auch:
Experte fordert: Organvergabe auch nach Erfolgsaussicht

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »