Ärzte Zeitung online, 03.11.2014

Organspende

Spenderzahlen weiter im Sinkflug

Auch im laufenden Jahr gibt es wieder weniger Organspender. Bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation herrscht dennoch leise Zuversicht auf eine Wende.

Spenderzahlen weiter im Sinkflug

Die Spenderzahlen sind weitergesunken, doch die Bereitschaft zu spenden nimmt wieder zu, sagt die Deutsche Stiftung Organtransplantation.

© Jens Kalaene / dpa

BERLIN. Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, deren Leben durch eine Organverpflanzung möglicherweise hätten gerettet werden können.

Im Jahr drei nach dem Beginn der Skandale um mutmaßliche Manipulationen bei der Vergabe von Organen stehen den Transplanteuren immer weniger Organe zur Verfügung, um den 11000 Menschen auf den Wartelisten zu helfen. Zwischen Januar und September 2014 waren es bei den postmortalen Spendern vier Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Seit 2010 befinden sich die Spenderzahlen im Sinkflug. Sie sind um ein Drittel zurückgegangen.2012 gab es einen massiven Einbruch. Damals war bekannt geworden, das Patienten in Göttingen, Leipzig, Regensburg und München mit Labortricks kränker gemacht worden sein sollen, als sie tatsächlich waren.

Auf diese Weise rutschten sie auf der Warteliste nach oben und haben somit möglicherweise früher Spenderorgane erhalten als eigentlich vorgesehen. Die Krise ist noch nicht ausgestanden.

Das Herzzentrum Berlin hat sich im Sommer wegen möglicher Manipulationen selbst angezeigt. Auch die Zahl der Lebendspender sinke, hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation am Montag mitgeteilt.

Bei der DSO, die in Deutschland für die Koordinierung der Organentnahme zuständig ist, also mit der Zuteilung von Spenderorganen nichts zu tun hat, gibt es dennoch Anzeichen für einen Silberstreif am Horizont.

Die Verantwortlichen der Stiftung wollen Anzeichen dafür bemerkt haben, dass die nach dem Skandal vorgenommenen Umstrukturierungen und Neuregelungen neues Vertrauen in die Transplantationsmedizin schafften.

"Betrachten wir als Frühindikator die Zustimmungsraten zur postmortalen Organspende in Angehörigengesprächen, stellen wir fest, dass sie in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres wieder angestiegen sind - auf rund 63 Prozent. Im letzten Jahr waren sie noch deutlich von 62,5 auf 54,2 Prozent gesunken", sagte der neue Medizinische Vorstand der DSO, Dr. Axel Rahmel, am Montag beim DSO-Jahreskongress in Frankfurt.

Konzentration auf Kernprozesse

Die DSO habe ihre aktuellen Aufgaben klar definiert: Konzentration auf die Kernprozesse innerhalb der Organspende und eine umfassende Qualitätssicherung aller Abläufe, so Rahmel.

Helfen sollen dabei die Transplantationsbeauftragten, die es laut gesetzlichem Auftrag künftig in allen Entnahmekrankenhäusern geben soll. Bis diese Expertise zur Verfügung stehen wird, wird es noch dauern.

Bislang sei ein "kontinuierlicher Aufbau über die nächsten Jahre vorgesehen", kündigte der Vorsitzende des DSO-Stiftungsrats, Professor Björn Nashan, am Montag an. Zuvor jedoch müsse die Ständige Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer noch festlegen, welche Aufgaben genau die Transplantationsbeauftragten übernehmen sollen.

Auch die Länder sind gefordert. "Wir wünschen uns eine möglichst einheitliche Umsetzung, was die Anforderung und Ausbildung in den Ausführungsgesetzen der Länder betrifft", sagte der Kaufmännische Vorstand der DSO, Thomas Biet.

Praxisnahe Schulung und Ausbildung seien unabdingbare Voraussetzung, um mögliche Organspender auf der Intensivstation überhaupt zu erkennen.

Die Vorsitzende des Patientenselbsthilfeverbandes Lebertransplantierte Deutschland, Jutta Riemer, hat die Länder aufgefordert, das novellierte Transplantationsgesetz endlich umzusetzen.

"Die Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern müssen eingesetzt, die Freistellungen für ihre Tätigkeit geregelt und für ihre ausreichende Finanzierung gesorgt werden", mahnte Riemer. (af)

[03.11.2014, 19:51:12]
Dr. Claus Kühnert 
Rolle der DSO bei der Organentnahme
Was bedeutet "...ein Silberstreif am Horizont" für die Organentnahme in den Krankenhäusern der BRD? Solange die gesamte Ärzteschaft nicht bereit ist dabei mit zuwirken und sich selbst vorbildlich zur Organentnahme am "eigenen Körper" verpflichtet bleibt alles beim Alten und liegt im Abseits. Wenn Fachärzte (Anästhesisten, Chirurgen etc.) die dem Prozedere einer Organentnahme "beiwohnen dürfen/müssen" ihren Kindern und Angehörigen empfehlen sich selbst nicht "so ausweiten / ausschlachten" zu lassen, solange müssen wir das Desaster wohl weiterhin auf die Transplantationsskandale schiebe.Wie steht es denn um die Bereitschaft der einzelnen Häuser und ihres Personals bezüglich einer zügigen und notwendig werdenden Organentnahme im 24-Std.-Betrieb? Wie groß ist die Bereitschaft, die Möglichkeit und auch die Kostenfrage gelöst, um ggf. schnellstmöglich verfügbare Spenderorgane zu entnehmen. Welchen Einfluss nehmen immernoch kirchliche Vertreter und ethische Schönredner bezüglich der Organentnahme. Was wird und wurde aus den inzwischen "kaltgestellten" und hochspezialisierten Chirurgen der Transplantationsmedizin? Ab wann fangen wir wieder an Spezialisten zu suchen? Viele Fragen die auf die lange Bank geschoben werden und für die wieder irgendwelche Kremien zu "gegebener" Zeit befragt werden um einen Silberstreif am Horizont auszumachen!
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