Ärzte Zeitung, 31.07.2009

Bei der Pflegeberatung liegen die Privaten vorn

Der Aufbau von Stützpunkten für gesetzliche Pflegeversicherte kommt nur schleppend voran. Die private Pflegeversicherung hingegen bietet ihren Versicherten inzwischen einen bundesweit einheitlichen Beratungsservice.

Von Thomas Hommel

Bei der Pflegeberatung liegen die Privaten vorn

Das passende Angebot zu finden, fällt pflegenden Angehörigen nicht immer leicht - Beratung soll helfen.

Foto: Local Caption

BERLIN.Die Pflegereform schreibt es vor: Gesetzlich wie privat Pflegeversicherten haben seit Januar 2009 einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Beratung zu allen Fragen rund um das Thema Pflege. Die private Krankenversicherung (PKV) hat zu diesem Zweck bereits im Juli 2008 das Tochterunternehmen Compass gegründet.

Inzwischen betreibt das in Köln ansässige Unternehmen bundesweit zehn Regionalbüros. Hier finden die etwa 9,3 Millionen privat Pflegeversicherte und ihre Angehörigen Beratung und Hilfestellung in Sachen Pflege. Beraten und informiert wird telefonisch oder, wenn gewünscht, auch persönlich. "Wir kommen zu den Menschen nach Hause, ins Krankenhaus, ins Pflegeheim oder in die Rehabilitationseinrichtung", sagt Compass-Chefin Elisabeth Beikirch der "Ärzte Zeitung".

Der Bedarf an Beratung über das Thema Pflege sei riesig, betont sie. Viele Ratsuchende fragten Leistungen aus der Pflegeversicherung ab. Pflegende Angehörige wiederum erkundigten sich nach Angeboten, die sie bei der oftmals schweren Aufgabe der häuslichen Pflege unterstützen.

"Häufig gibt es auch Fragen zur Finanzierbarkeit der Pflegeleistungen und zur Organisation der häuslichen Pflege, ergänzt Compass-Sprecherin Sylke Wetstein. Bis zu 1000 Anrufe erreichten die Beratungsbüros pro Woche. Ließen sich die Fragen nicht telefonisch abklären, könne die betreffende Person die "aufsuchende Pflegeberatung" in Anspruch nehmen.

Diese erfolgt über das jeweils zuständige Regionalbüro. "Der Pflegeberater nimmt dann innerhalb der nächsten 24 Stunden Kontakt mit der Rat suchenden Person auf", sagt Wetstein. Mehr als 200 Pflegeberater seien derzeit für das Unternehmen im Einsatz. "Sie alle kommen aus dem Pflege- und Gesundheitswesen und sind in regionale Strukturen eingebunden", betont Wetstein.

Einen Flickenteppich unterschiedlicher Beratungsstrukturen, wie er sich derzeit bei den Stützpunkten für die etwa 70 Millionen gesetzlich Pflegeversicherten abzeichnet, haben die privaten Pflegeberater bewusst vermieden. "Unsere Pflegeberatung in Hamburg funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie in München oder Köln", erklärt Beikirch. Für viele Familien sei es heute "ganz normal", dass der Sohn oder die Tochter in München und die pflegebedürftigen Eltern in Hamburg leben. Für die Angehörigen sei es dann eine große Erleichterung, wenn sie sich bei Pflegebedürftigkeit in der Familie an eine "zentrale Nummer wenden können und sie einen Ansprechpartner genannt bekommen, der sie unterstützt - unabhängig von ihrem Wohnort". Für Pflegebedürftige wie Angehörige liege der Vorteil auf der Hand, sagt Beikirch. "Sie müssen sich nicht mit Organisationsstrukturen auseinandersetzen, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind, sondern können sich auf die Pflegesituation konzentrieren."

Selbstverständlich seien alle Pflegeberater "vor Ort gut vernetzt" - mit Anbietern der kommunalen Alten- und Behindertenhilfe genauso wie mit Ärzten. "Wir sehen uns in einer Art Lotsenfunktion", sagt Beikirch. Ziel sei es, die Hausärzte - wo geht - zu entlasten.

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