Ärzte Zeitung, 06.11.2009

Auch das Pflegepersonal kommt in die Jahre

Frührente könnte in der Pflegebranche schon bald ein Begriff aus vergangenen Zeiten sein, denn nicht nur die Pflegebedürftigen werden älter. Experten halten die "Generation 50 plus" für unverzichtbar. Die Kompetenz der älteren Mitarbeiter rückt stärker in den Fokus der Verantwortlichen, weil der Nachwuchs allein den steigenden Personalbedarf nicht decken kann.

Von Dirk Schnack

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In der Pflege zählt Erfahrung. Der Anteil älterer Pflegekräfte steigt.

Foto: epd

HAMBURG. "Wir sind auf Ihr Wissen und auf Ihre Kompetenz existenziell angewiesen", stellte Professor Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung auf dem siebten Gesundheitspflege-Kongress in Hamburg klar. Ein Seminar auf dem Branchentreff sprengte jede erwartete Resonanz. Der Andrang war so groß, dass der Tagungssaal nicht allen Interessierten Platz bot.

Der Grund für den hohen Bedarf an Personal ist einfach: Europaweit steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung an. Damit werden auch mehr Menschen pflegebedürftig, zugleich gibt es weniger junge Menschen, die die hohe Zahl an Pflegebedürftigen versorgen könnten. Pflegeanbieter in Deutschland haben in den vergangenen Jahren auf diese vorhersehbare Entwicklung mit einem Kapazitätsausbau reagiert. Zwischen 1999 und 2007 stieg die Zahl der Heime und der Bewohner um jeweils 24 Prozent. Das Personal wurde im gleichen Zeitraum um 30 Prozent aufgestockt.

Isfort warnte davor, sich damit zufrieden zu geben: "Der Aufbau muss weitergehen." Hoffnungen, dass andere Länder deutsche Personalprobleme lösen könnten, erteilte er eine klare Absage: "Die Rekrutierung von außen ist keine Lösung, weil das Problem EU-weit besteht."

Für Isfort steht fest, dass ältere Mitarbeiter in die Lage versetzt werden müssen, ihren Beruf länger ausüben zu können. Arbeitgeber, die lieber auf jüngeres Personal setzen, könnten nach seiner Einschätzung Nachteile erleiden.

Denn ältere Mitarbeiter gleichen nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit in aller Regel mit Erfahrung aus und sind zudem für körperlich weniger belastende Tätigkeiten wie etwa Hausbesuche prädestiniert. "Ältere Mitarbeiter sind anders leistungsfähig", sagte Isfort. Hinzu kommt, dass sie ihre Leistungsfähigkeit täglich unter Beweis stellen - denn den zusätzlichen Bedarf, der schon in den vergangenen Jahren zu decken war, haben diese Mitarbeiter gemeistert. Isforts Appell an die Arbeitgeber, "keine Angst vor älteren Mitarbeitern" zu haben, erscheint aber in vielen Pflegeheimen und Krankenhäusern nicht angebracht. Denn der Anteil der über 50-Jährigen am deutschen Pflegepersonal ist innerhalb von zehn Jahren um 7,3 Prozent gestiegen.

Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der unter 35-Jährigen um 5,7 Prozent. Zugleich vermissen die älteren Mitarbeiter von ihren Arbeitgebern aber Konzepte, die ihnen den Verbleib im Beruf bis zum Rentenalter ermöglichen.

Die stärksten Belastungen, dies zeigten Zahlen von Dr. Kornelius Knapp vom Nürnberger Forschungsinstitut Betriebliche Bildung, sieht das Personal durch Überstunden und durch einen unangemessenen Umgang der Vorgesetzten. Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz würden sie denn auch zuerst in der Führung und in der Arbeitsorganisation vornehmen.

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