Ärzte Zeitung, 21.04.2010

Geriater warnen vor zunehmender Unterversorgung

Die Überalterung der Gesellschaft ist ein Fakt - doch ist Deutschland für die Herausforderung gerüstet? Geriater verneinen das.

Von Sunna Gieseke

BERLIN. Der Bundesverband Geriatrie (BVG) hat eine erste umfassende Bestandsaufnahme der geriatrischen Versorgung in Deutschland vorgelegt. Das Ergebnis des "Weißbuch Geriatrie" ist dramatisch: Bereits jetzt gibt es eine geriatrische Unterversorgung und diese wird in Zukunft noch zunehmen. "Der geriatrische Versorgungsbedarf muss endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des BVG, Dr. Dieter Lüttje. Bisher gilt die Geriatrie - die Lehre der Krankheiten älterer Menschen - immer noch als Stiefkind der Medizin: "Das Fach bekommt in der Versorgung immer noch nicht den Stellenwert, den sie haben sollte", bestätigte Lüttje. Im Zuge des demografischen Wandels werde das Fach aber immer weiter an Bedeutung gewinnen. Bereits seit 2002 sind die Fallzahlen von 170 000 auf 210 000 gestiegen - bis 2020 werden sie um weitere 32 Prozent zunehmen. "Um die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, bräuchte man 16 000 zusätzliche Betten, beziehungsweise 300 weitere Fachabteilungen", sagte Clemens Platzköster, Geschäftsführer des Düsseldorfer Marktanalyseinstituts Gebera, das mit der Auswertung der Daten beauftragt war.

Geriater warnen vor zunehmender Unterversorgung

Der Versorgungsbedarf älterer Menschen nimmt zu. © Alta.C / fotolia.com

"Für die zukünftige Versorgung von älteren Menschen mit geriatrischem Behandlungsbedarf müssen bereits heute von Politik, Kostenträgern und Leistungserbringern die Weichen gestellt werden", betonte Lüttje. Für die Geriatrie bedürfe es dazu einer Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen und vermehrter Kapazitäten. Allerdings seien die Möglichkeiten zur geriatrischen fachärztlichen Qualifikation bundesweit deutlich unterschiedlich und müssten verbessert dementsprechend werden.

"Das Fach Geriatrie ist mit sechs Lehrstühlen in Deutschland noch deutlich unterrepräsentiert", betonte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, Professor Werner Vogel. Die Geriatrie müsste aber an allen medizinischen Fakultäten vertreten sein, um das Interesse der Studenten für das Fach zu fördern. Die Versorgung älterer Menschen setze ganz spezielles Wissen voraus, daher müsse es in der Versorgung Spezialisten dafür geben. Im ambulanten Bereich würden aber zurzeit noch häufig Hausärzte die Weiterversorgung geriatrischer Patienten übernehmen. Um die Bedürfnisse dieser zu erkennen, sollten sich Hausärzte gezielt fortbilden. In den Kliniken wiederum sei es wichtig, dass geriatrische Patienten schnell als solche identifiziert würden und auf einer geriatrischen Abteilung weiterbehandelt würden.

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