Kongress, 05.05.2010

"Verlassen wir endlich das ewige Jammertal!"

"Verlassen wir endlich das ewige Jammertal!"

Pflege taucht medial meist nur auf, wenn "Todesengel" von sich reden machen. Berufsvertretern reicht das nicht.

BERLIN. Peter Bechtel mag seinen Beruf. Seit 30 Jahren ist der gebürtige Badener in der Krankenpflege tätig. Er hat als Pfleger im Op-Bereich und auf der Inneren gearbeitet und an einer Krankenpflegeschule unterrichtet. 1990 wurde er zum Pflegedienstleiter am Herzzentrum Bad Krozingen berufen. Seit vielen Jahren engagiert sich Bechtel auch in der Berufspolitik. Als Chef des Verbandes leitender Pflegekräfte (BALK) reist er - so oft es seine Arbeit in der Klinik erlaubt - quer durch die Republik, um für die Belange der Pflege zu werben.

Wenn er dann manchmal im Zug die Zeitung aufschlägt oder abends im Hotel den Fernseher anschaltet, ärgert er sich. "Was wir da vernehmen, ist doch nur noch: Scheißarbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung, von Ärzten geknechtet, lassen Patienten verhungern und verdursten, fesseln alte Menschen im Bett und so weiter. Da soll mir doch noch ein Mensch erklären, warum ein junger Mensch den Pflegeberuf ergreifen soll."

Schuld an diesem Bild von Pflege seien aber nicht bloß die Medien, die eben oft nach dem Leitsatz "Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" berichten würden, sagt Bechtel. Schuld am schlechten Image des Pflegeberufs seien auch die Pflegenden selber. "Die Berufsangehörigen der Profession Pflege müssen ihren Beruf endlich stolz und positiv in der Öffentlichkeit präsentieren." Das sei in den vergangenen Jahren zu wenig geschehen. Statt die Botschaft zu setzen, dass Pflege in ist, sei geklagt und lamentiert worden, woraus dann eigentlich nur zu schließen war: "Pflege ist ziemlich out."

"Verlassen wir endlich das ewige Jammertal und rücken den eigenen Beruf ins rechte Licht", appelliert auch die Präsidentin des Verbandes der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Sabine Schipplick, an den eigenen Berufsstand. Das sei manchmal auch anstrengend. "Denn es bedeutet, sich selbst darin zu schulen, den eigenen Arbeitsalltag zu erklären - und zwar so, dass jedermann es versteht."

Damit die Pflege und die vielen Geschichten, die sie zu erzählen hat, den Weg in die Medien finden, müssten die Pflegenden aber noch eine Hürde nehmen, weiß Schipplick. "Sie müssen die persönliche Zurückhaltung, die im Pflegealltag passend ist, verlassen. Pflegekräfte müssen lernen, den eigenen Beruf, die eigene Tätigkeit und die eigene Fachlichkeit als Produkt auf dem Markt der Medien zu verkaufen." Finde die Pflege ihren Weg in die Medien nicht, dann seien die sozial- und gesundheitspolitischen Folgen programmiert. "Wer in den Medien nicht stattfindet, kann auch nicht mit gesellschaftlicher Aufmerksamkeit rechnen."

Um bei Medien mehr Interesse zu wecken, müsste die Pflege nach Ansicht von Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV), stärker deutlich machen, dass es im Gesundheitssystem keinen pflegefreien Raum gibt. "Ob Kuration, Prävention oder Rehabilitation: Pflege spielt überall eine Rolle."

Höfert wünscht sich aber auch ein offensiveres Auftreten der Berufspolitiker in der Öffentlichkeit. "Wir müssen in die Talkshows gehen und sagen, für was wir stehen und wohin wir wollen. Die Windeln von Claus Fussek kennt mittlerweile jeder", betont Höfert. Medienvertreter wiederum sieht der gelernte Krankenpfleger in der Pflicht, das Thema Pflege nicht bloß dann zu einer dicken Schlagzeile oder zum Talkshow-Thema zu machen, wenn es mal wieder zum Pflegeskandal kommt oder irgendwo ein "Todesengel" in Erscheinung tritt. "1,2 Millionen Pflegeprofessionelle sind nicht allesamt potentielle Täter", stellt Höfer klar. (hom)

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