Ärzte Zeitung, 07.05.2010

Nur eins ist sicher: Die Soziale Pflegeversicherung wird teurer

An ergänzender Kapitaldeckung kommt die Pflegeversicherung nicht vorbei. Die Frage ist: Wie macht man das?

Von Thomas Hommel

BERLIN. 2009 konnte die Pflegeversicherung noch mit einem Überschuss von einer Milliarde Euro glänzen. Die gute Nachricht kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem jungen Spross des Sozialstaats spätestens 2012 finanziell die Luft wegbleibt. "Deshalb", so Professor Heinz Rothgang, Gesundheitsökonom an der Uni Bremen, "brauchen wir eine Finanzreform in dieser Legislatur".

Nur eins ist sicher: Die Soziale Pflegeversicherung wird teurer

Die Pflegeversicherung braucht mehr Geld. © Schäfer / Fotolia.com

Auch die Bundesregierung hat den Handlungsbedarf erkannt. Noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres soll eine interministerielle Kommission starten und die Finanzreform vorbereiten. Einfach wird das nicht. Denn mit der Aussage, die ergänzende Kapitaldeckung in der Pflege notwendig sei, ist noch nichts gewonnen. Die Gretchenfrage ist: Wo soll die Kapitalsäule eingezogen werden? Beim Staat oder bei den Privaten? Und wie? "Das kann nur in der Sozialen Pflegeversicherung angesiedelt sein", so die Antwort von DAK-Chef Professor Herbert Rebscher. Es mache doch überhaupt keinen Sinn, in den relativ kleinen Bereich der Pflege noch "weitere Töpfe" hineinzustellen. "Noch mehr Antragsbürokratie und Schnittstellen wären die Folge." Obligatorisch und kollektiv müsse die ergänzende Pflegevorsorge sein, sagt Rebscher. "Auf keinen Fall privat und individuell. Das liefe auf komplette Privatisierung des Pflegerisikos hinaus", warnt der Kassenmanager.

Professor Günter Neubauer sieht es ähnlich. "Auf keinen Fall freiwillig", betont der Gesundheitsökonom. "Denn dadurch würden ausgerechnet die Gruppen ausgespart, die man schützen will." Sozial Schwächere, die sich private Pflegevorsorge nicht leisten können und bei Pflegebedürftigkeit in Sozialhilfe abrutschen. Genau das zu verhindern, war Ziel bei Einführung der Pflegeversicherung.

Nach Ansicht von Rothgang sollte darüber diskutiert werden, ob bei einer Pflicht zur Pflege-Kapitaldeckung die Zahl der eigenen Kinder berücksichtigt wird. Vorsorge für den Fall der Pflegebedürftigkeit könne man durch Kinder treffen, die später für die Elterngeneration sorgen - oder durch Ansammlung von Kapital.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »