Ärzte Zeitung, 08.06.2010

Geld, qualifiziertes Personal und Kontrolle sind Ingredienzien guter Pflege

Gute Pflege in Heimen hat viel mit Geld und qualifiziertem Personal zu tun - und mit kontrollierter Pflegequalität. Das zeigen die Transparenzberichte des MDK für Baden-Württemberg. Im Südwesten haben die 382 bisher geprüften stationären Pflegeeinrichtungen mit der Note 1,2 im bundesweiten Vergleich als Klassenprimus abgeschnitten. Dort gibt es landesweit rund 1400 Heime.

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Heime in Hamburg und Schleswig-Holstein erhalten die schlechtesten Noten.

Von Florian Staeck

Ebenfalls gute Noten haben Heime in Mecklenburg-Vorpommern (1,3), Saarland (1,6) und Hessen (1,7) bekommen. Schlusslichter sind Heime in Hamburg (2,6) und Schleswig-Holstein (2,8). Dass gute Pflege und die entsprechende personelle Infrastruktur mit auskömmlichen Pflegesätzen zu tun hat, legt der Vergleich der Pflegesätze nahe. Bei vollstationären Einrichtungen ohne besonderen Schwerpunkt für die Pflegestufe I liegt Baden-Württemberg mit Bayern mit 75 Euro an der Spitze. Die niedrigsten Pflegesätze werden für Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern (beide 50 Euro) ausgewiesen.

Entscheidend ist, wie die vergleichsweise hohen Pflegesätze in Baden-Württemberg konkret in Qualität umgemünzt werden. "Die Landesverbände der Pflegekassen haben bei den Pflegesatzverhandlungen immer darauf geachtet, dass die Pflegedienstleitungen in den Einrichtungen für diese Aufgabe qualifiziert sind", sagt die Ärztin Dr. Waltraud Hannes, Leiterin des Fachbereichs Pflege beim MDK, der "Ärzte Zeitung". Der Medizinische Dienst habe bei den Prüfungen festgestellt, dass die Pflegedienstleitungen zum großen Teil für ihre Leitungsaufgaben freigestellt seien. Das sei eine Voraussetzung, um die "pflegewissenschaftlichen Grundlagen in die tägliche Arbeit umzusetzen", erläutert Hannes.

Ein weiterer, die Qualität der Versorgung bestimmender Faktor, ist der Pflegeschlüssel, der auf Landesebene festgelegt wird. Er macht Vorgaben dazu, wie viele Heimbewohner ein - qualifizierter - Pflegemitarbeiter versorgen muss. Außer in Baden-Württemberg haben allerdings nur Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz Pflegeschlüssel vertraglich geregelt. Hinzu kommt, dass das, was auf dem Papier steht, auch kontrolliert werden muss. Das gilt etwa für die Fachkraftquote von 50 Prozent im Südwesten. Dies hätten die Aufsichtsbehörden in der Vergangenheit "streng kontrolliert", berichtet Hannes. Heime, in denen nicht anteilig genug Fachkräfte arbeiten, bekamen Auflagen "bis hin zum Aufnahmestopp" neuer Bewohner, so die Ärztin.

Dass die Prüfungen wirken, zeigt nach Auskunft von Hannes die Entwicklung bei gravierenden Pflegemängeln. In der ersten Welle der Prüfungen hat der MDK Baden-Württemberg in rund jedem vierten Heim solche schweren Mängel gerügt - überwiegend bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung der Bewohner. "Dieser Anteil ist in der zweiten Welle der Prüfungen auf neun Prozent gesunken."

Schließlich zeigt der Südwesten, wie es gelingt, die Ergebnisse von Modellprojekten in der Fläche umzusetzen. Ein Beispiel sind Pflegeheime im Ostalbkreis, die vor acht Jahren für ihre Dekubitusprophylaxe mit dem Qualitätsförderpreis Gesundheit des Landes ausgezeichnet worden sind. Dabei wurden mit per EDV in allen Einrichtungen die Pflegetage erfasst, an denen bei Patienten ein Liegegeschwür festgestellt wurde. Die Daten wurden für ein Benchmarking der Einrichtungen verwendet. Das Projekt hat Nachahmer im Land gefunden - ein Plus für die Pflegequalität.Wasser in den Wein gießt der Verband der Ersatzkassen vdek, der - ebenso wie Pflegeexperten - darauf drängt, den Pflege-TÜV auf Basis von Schulnoten weiterzuentwickeln. Bislang wird ein schlecht lesbarer Speiseplan genauso bewertet wie Fragen der Ernährung. Wichtige pflegerische Aspekte wie Dekubitusprophylaxe, Essen und Trinken oder die Schmerzversorgung müssten ein höheres Gewicht in der Bewertung erhalten, fordert Frank Winkler vom Ersatzkassenverband vdek. Mängel in der Dokumentation dürften zudem nicht mit Versorgungsdefiziten verwechselt werden, heißt es von Seiten der Pflegeverbände. Die Schattenseite der durchgängig guten Noten für Heime: Menschen fällt es schwer, sich anhand der Benotungen zu entscheiden. "Wir werden eine Lesehilfe entwickeln, die es Betroffenen erleichtern soll, die Berichte mit möglichst großem Informationsgewinn zu lesen", kündigt Hannes an.

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