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Ärzte Zeitung, 05.03.2012

Betrüger!? Berliner Pflegedienste am Pranger

Heftige Vorwürfe gegen mobile Pflegedienste in Berlin: Viele betrögen systematisch, heißt es aus dem Senat. Aus Profitgier ließen sie Menschen verwahrlosen oder erfänden Pflegebedarf. Die Branche setzt sich zur Wehr.

Berliner Gesundheitspolitiker nehmen Pflegedienste ins Visier

Die mobilen Pflegedienste in Berlin sehen sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt.

© Ralph Peters / imago

BERLIN (af). Ein Drittel der 560 ambulanten Pflegedienste in Berlin rechne falsch ab, hat die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" den Staatssekretär im Berliner Senat Michael Büge (CDU) zitiert.

Der Schaden allein für die Sozialkassen der Hauptstadt betrage 100 Millionen Euro im Jahr. Pflegedienste ließen Menschen aus Profitgier verwahrlosen oder erfänden gemeinsam mit Pflegeversicherten und Ärzten Pflegebedarf, wo keiner sei. Oft spielten sich diese Dinge in "geschlossenen Kulturkreisen" ab.

Beim Verband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) stoßen die Vorwürfe auf Unverständnis. Es lägen keine Erkenntnisse dafür vor, dass gegen Pflegedienste strafrechtlich stärker vorgegangen werde, sagte eine Sprecherin des Verbandes der "Ärzte Zeitung".

Eine ganze Branche werde zu Unrecht kriminalisiert, kritisierte Thomas Meißner, Vorstand des Berliner Anbieter-Verbands qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen (AVG). In Berlin seien nur zwei Verfahren gegen Pflegeanbieter anhängig.

AOK sieht Gesamtschaden in sechsstelliger Höhe

In den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres ist die AOK Nordost 266 Hinweisen auf Falschabrechnungen nachgegangen. 110 ambulante Pflegedienste habe sie dabei identifizieren können, die einen Gesamtschaden in sechsstelliger Höhe verursacht hätten, meldete die Kasse.

Die Techniker Krankenkasse geht davon aus, dass die große Mehrheit der ambulanten Pflegedienste korrekt abrechne, teilte die Ersatzkasse der "Ärzte Zeitung" mit.

Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) sehen keine Hinweise auf ein "flächendeckendes Phänomen", hieß es.

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