Ärzte Zeitung, 19.11.2012

Neue Studie

Pflege-Lücken in den Kommunen

Der Pflegebedarf steigt - die Zahl der Pflegekräfte jedoch nicht. Eine neue Studie schlägt Alarm und zeigt die Kommunen, die vor einem großen Problem stehen.

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Pflege im Alter: Der Bedarf wächst.

© Tobias Kleinschmidt / dpa

NEU-ISENBURG. Eine Modellrechnung der Bertelsmann-Stiftung hat große Versorgungslücken in der Pflege in den Kommunen festgestellt.

"Die Versorgungslücke in der Pflege wird bis zum Jahr 2030 vor allem in den Kommunen für große Herausforderungen sorgen", heißt es in einer Mitteilung der Stiftung aus Gütersloh.

Während die Zahl der Pflegebedürftigen um rund 50 Prozent zunehme, werden nach heutigen Berechnungen rund eine halbe Million Stellen in der Pflege unbesetzt bleiben, so die Stiftung.

Dies deckt sich mit Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Wochenende: So sei die Nachfrage nach examinierten Altenpflegern in den vergangenen fünf Jahren um rund 200 Prozent auf annähernd 10.000 gestiegen.

Daher fordert BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker, die Altenpflege-Ausbildung deutlich zu verkürzen.

Laut der Studie der Bertelsmann-Stiftung stellt sich die Situation des Fachkräftemangels auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich dar.

Laut Modellrechnungen wird die Zahl der Pflegebedürftigen in der Stadt Bremen zwischen 2009 und 2030 um rund 28 Prozent steigen, in Brandenburg wird von einer Steigerung von 72 Prozent ausgegangen. Der bundesweite Schnitt liegt bei 47 Prozent.

Auf kommunaler Ebene seien die Unterschiede noch deutlicher: So werde der Anteil der Pflegebedürftigen im Landkreis Goslar (Niedersachsen) um 14 Prozent steigen, in den Landkreisen München oder Oberhavel um mehr als 100 Prozent, so die Stiftung. (bee)

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Pflege (4602)
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Raimund Becker (10)
[20.11.2012, 08:11:15]
R. Sebastian Werbke 
Mit halber Ausbildung doppelte Leistung?
Die Logik des BA-Vorstandsmitglieds Becker ist für mich nicht spontan ersichtlich. Warum soll eine Berufsausbildung reizvoller werden, wenn man sie inhaltlich reduziert? Wieso ist Altenpflege denn heutzutage offensichtlich für viele Menschen nicht attraktiv genug, um sie beruflich auszuüben? Angesichts des nunmehr wohl von allen Seiten erkannten Personalmangels (nicht erst 2030) in den Pflegeberufen sind Äußerungen wie diese völlig unverständlich und zeigen, dass auch an entscheidenden Stellen immer noch nicht erkannt ist, wie hoch die Qualifikation für immer anspruchsvollere Pflege-Situationen sein müsste. Aber vielleicht ist Herr Becker ja rundum zufrieden, wenn ihm zu gegebener Zeit eine Standard-Warm-Satt-Sauber-Versorgung von crash-(um)geschulten deutschen Pflegeassistenten zuteil wird. Die Organisation dieser Hilfstruppen liegt dann vermutlich bei den zugewanderten studierten Pflegefachkräften aus dem europäischen Ausland. zum Beitrag »

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