Ärzte Zeitung, 18.01.2013

Bewegungsparcours

Hessen macht Senioren fit

Vitalität, besserer Gleichgewichtssinn und weniger Angst: Senioren in Hessen fühlen sich nach der Teilnahme an einem Bewegungsprogramm fitter.

Von Pete Smith

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Krafttraining hilft Senioren im Alltag.

© Robert Kneschke / fotolia.com

WIESBADEN. Bewegung hält fit. Das gilt auch und insbesondere für Senioren. Das Land Hessen geht hier neue Wege mit der Errichtung spezieller Bewegungsparcours.

Eine Studie unterstreicht nun deren gesundheitliche Effekte: Alte Menschen, die den Parcours regelmäßig nutzen, kräftigten ihre Muskulatur, steigern ihre Kondition und gewinnen mehr Sicherheit sowie Lebensfreude im Alltag.

Seit Sommer 2011 erprobt die hessische Landesregierung in Hanau und Darmstadt zwei Bewegungsparcours für ältere Menschen. In Asien sind solche Parcours weit verbreitet, in Europa, auch in Deutschland, dagegen noch selten.

Gemeinsam mit dem Landessportbund Hessen, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Hochschule Darmstadt und der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden will das Sozialministerium in Hessen den gesundheitlichen Nutzen solcher Senioren-Parcours wissenschaftlich evaluieren.

Einfache Anleitungen

Bewegungsparcours werden idealerweise im Zentrum von Städten, bevorzugt in Grünanlagen, installiert, wodurch sie sich von den in Ausflugsgebieten errichteten Trimmpfaden der 1970er Jahre grundsätzlich unterscheiden.

Beispielhafte Parcours gibt es derzeit im Schlossgarten Hanau sowie im Bürgerpark Darmstadt.

Die Auswahl der Fitness-Geräte orientiert sich an dem Ziel, die Alltagsmotorik, die Kraft und die Ausdauer älterer Menschen zu verbessern. Einfache Anleitungen und leichte Handhabbarkeit sind die Regel.

Neben Fahrradergometern und Geräten zur Kräftigung der Muskulatur sind auch Balance- und Massage-Stationen installiert worden. Manche Geräte sind nur zu zweit nutzbar und fördern auf diese Weise die Kommunikation.

An einer ersten wissenschaftlichen Auswertung der Bewegungsparcours haben 94 Personen im Alter von 60 bis 94 Jahren teilgenommen. Während der dreimonatigen Testphase nutzten die Probanden den Bewegungsparcours im Durchschnitt zweimal pro Woche (einmal angeleitet, einmal allein) für etwa 50 Minuten.

Zu Beginn und am Ende der drei Monate wurden nach standardisierten Verfahren die Beinkraft, die Gehgeschwindigkeit sowie das Gleichgewichtsempfinden der Teilnehmer gemessen.

Darüber hinaus mussten sie einen Fragebogen zur subjektiven Sturzangst bei bestimmten Alltagsaktivitäten ausfüllen.

Angst vor Stürzen geht zurück

Die Ergebnisse der Studie: Dreiviertel der Probanden konnten ihre maximale Beinkraft steigern. Zwei Drittel der Studienteilnehmer erhöhten ihr Gehtempo. Und 45 Prozent der Senioren verbesserten ihre Balance.

Die zu Beginn der Untersuchung vergleichsweise gering empfundene Sturzangst konnte weiter gesenkt werden. Am meisten profitierten jene Senioren, die bislang weniger als fünf Stunden wöchentlich körperlich aktiv waren.

Fast alle Teilnehmer verbesserten sich mindestens in einer alltagsrelevanten Funktion, dazu gehört Kraft, Gehgeschwindigkeit sowie der Sinn für das Gleichgewicht.

In einer zweiten Studie untersuchte der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt psychologische Aspekte im Hinblick auf die Nutzung der Bewegungsparcours.

Dabei zeigte sich, dass die Probanden durch das Training sowie das Miteinander im Parcours auch emotional profitierten.

Sie fühlten sich vitaler und im Alltag weniger eingeschränkt, klagten seltener über Angst oder Depressionen und bezeichneten den Bewegungsparcours als "Dorfbrunnen", an dem sich sympathische Menschen treffen und finden.

Die hessische Landesregierung will die wissenschaftliche Erprobung an den Modellstandorten in Hanau und Darmstadt fortführen und sich eigenen Angaben zufolge verstärkt dafür einsetzen, dass weitere Bewegungsparcours für Senioren entstehen.

Leitfaden zum Download: http://tinyurl.com/acwkjvn

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