Ärzte Zeitung, 30.04.2013

Bayern

Ausländische Pflegekräfte unverzichtbar

Mehr Werbung für den Beruf, bessere Bezahlung: So will Bayern den Pflegenotstand bekämpfen. Kräfte aus dem Ausland werden dennoch gebraucht.

Ausländische Pflegekräfte unverzichtbar

Pflege: Bayern sucht Fachkräfte im Ausland.

© Gina Sanders / fotolia.com

MÜNCHEN. Um den Mangel an Pflegekräften zu bewältigen, ist Deutschland auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Das machten Vertreter vom Bund und dem Freistaat Bayern beim BGF-Gesundheitsforum in München deutlich.

Um mehr Menschen für die Ausbildung zu einem Pflegeberuf zu gewinnen, müsse das Image dieser Berufe verbessert werden, betonte Dr. Marcel Huber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit.

Dazu gehöre eine leistungsgerechtere Entlohnung, deren Mehrkosten die Gesellschaft dann aber auch tragen müsse. Bei Schulabgängern müsse verstärkt für die Ausbildung in der Pflege geworben werden.

Kurzfristig werde man aber nicht daran vorbei kommen, Pflegekräfte auf ausländischen Märkten zu rekrutieren.

Sprache auch im Beruf lernen

Um hier das Angebot zu erhöhen, sollte als Eingangsbedingung bereits ein Sprachniveau B1 akzeptiert werden mit der Vorgabe, berufsbegleitend das Sprachniveau B2 zu erwerben. Sprecher mit dem Sprachniveau B1 können das Wichtigste verstehen, wenn einfache Sprache verwendet wird und es um für sie vertraute Themen geht.

Dagegen bezeichnet das Sprachniveau B2 die Fähigkeit, die Hauptinhalte von konkreten und abstrakten Themen zu verfolgen - sie können eine breite Palette von Themen verstehen.

Erst kürzlich hatte der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) gefordert, die Zuwanderung und damit das vorgegebene Sprachniveau zu erleichtern.

Auch Thomas Ilka, Staatssekretär im Bundesgesundministerium, räumte ein, dass man auf Entlastung durch ausländische Pflegekräfte angewiesen sein wird. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass Alten- und Krankenpflege mehrheitlich innerhalb der Familie erfolge.

Es müsse daher nach Wegen gesucht werden, wie sich diese private Aufgabe besser mit beruflichen Erfordernissen in Einklang bringen lasse.

Zweigeteilt war die Meinung der Teilnehmer zur Akademisierung der Pflegeberufe. Skeptisch zeigte sich der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Alexander Schweitzer. Er votierte dafür, Quereinstiege in den Pflegeberuf zu erleichtern.

Infrage kämen dabei insbesondere auch Menschen, die einen alten oder kranken Angehörigen jahrelang zu Hause versorgt hätten. Sie hätten dabei Fähigkeiten erworben, die eine gute Basis für eine Weiterqualifikation zum Pflegeberuf sind.

Viele Optionen für eine Anstellung

Zudem solle es möglich sein, Alten- und Krankenpfleger in Teilzeit berufsbegleitend auszubilden, so Schweitzer. Um die Attraktivität der Pflegeberufe aufzuwerten, brauche es eine starke Interessenvertretung wie eine Pflegekammer.

Nicht nur Pflegekräfte, auch Ärzte fehlen in einigen Regionen Deutschlands. Auf dem Land seien viele junge Ärzte nicht mehr bereit, das finanzielle Risiko und die zeitliche Belastung einer selbstständigen Praxis einzugehen, ergänzte Dr. Manfred Richter-Reichhelm, ehemaliger Vorsitzender der KBV.

Viele Ärzte wünschten sich ein Angestelltenverhältnis. Außer Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren seien auch regionale Ärztepools eine Option, wie sie vom Dienstleistungsunternehmen Patiodoc installiert wurden.

Ärzte sind in Voll- oder Teilzeit in einem solchen Pool angestellt. Sie werden in verwaisten Praxisstandorten ohne eigenes unternehmerisches Risiko und bei kalkulierbarer Zeiteinteilung eingesetzt. (wst)

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