Ärzte Zeitung online, 20.09.2013

Offene Wohngruppen

Neues Demenz-Zentrum in Magdeburg

Nicht abgekapselt von der Außenwelt: In Magdeburg versucht sich ein Demenz-Zentrum an einer neuen Art der Patientenbetreuung. In 13 offenen Wohngruppen wird den Patienten ein Stück Normalität und Individualität erhalten.

Von Petra Zieler

MAGDEBURG. Mitten in der Stadt - mitten im Leben. Mit Umbau und Sanierung des 1840 errichteten Empfangs- und Direktionsgebäudes des ersten Magdeburger Fernbahnhofs zum "Demenz Centrum" will die Vitanas Gruppe neue Wege gehen.

In knapp anderthalb Jahren Bauzeit entstanden direkt in Stadt- und Elbnähe 127 Pflegeplätze in 89 Zimmern. Die 13 Wohngruppen für sieben bis 15 Personen - jeweils mit eigener Küche und einem Wohnzimmer ausgestattet - lassen Raum für Individualität der Betreuungsbedürftigen.

Sie sind auf die unterschiedlich ausgeprägten Krankheitsstufen, von leichter bis schwerer Demenz, ausgerichtet. Zugleich gibt es einen Palliativbereich.

Eigener Marktplatz für die dementen Bewohner

Zentrum des spät-klassizistischen Bauwerks ist der glasüberdachte Marktplatz mit Kneipe, kleinen Läden, Friseur, Fußpflegesalon und Räumen für Selbsthilfegruppen.

"Wir sind ein offenes Haus", sagt Vitanas-Geschäftsführer Torsten Wenzel und meint damit nicht nur das angestrebte enge Miteinander mit den Angehörigen der Pflegebedürftigen. Jeder könne sich hier umschauen und verweilen.

"Der Standort mitten im Zentrum wurde bewusst gewählt, damit sich die Bewohner weiter mit den Menschen dieser Stadt verbunden fühlen und umgekehrt", so Wenzel.

Vitanas wolle das Normalitätsprinzip fördern, seelische und somatische Pflege koppeln und Psychopharmaka-Gaben so gering wie möglich halten. Zentrumsleiterin Christel Dost: "Der Mensch und nicht seine Erkrankung soll im Mittelpunkt stehen."

Enge Zusammenarbeit mit der Uni Magdeburg

Diesem Anliegen dient auch eine Vereinbarung zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit dem DZNE (Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen) an der Uni Magdeburg.

Professor Jens Pahnke, Leiter des Forschungslabors: "Unsere präventiven Programme helfen Frühdiagnostik und -therapie zu unterstützen. Gleichzeitig wollen wir erfolgsversprechende Behandlungen auf naturheilkundlicher Basis vermitteln und die enge Einbindung der Ehepartner von Demenzpatienten fördern."

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