Ärzte Zeitung, 20.11.2013

Pflegeberufe

Attraktivität ist das oberste Ziel

Die Pflegepolitik steht vor großen Herausforderungen. Das Berufsfeld Pflege hat für viele junge Menschen ein schlechtes Image.

HAMBURG. 112.000 Pflegekräfte fehlen voraussichtlich im Jahr 2025 in Deutschland. Für Arbeitgeber im Pflegebereich ist die Attraktivität des Pflegeberufs also eine zentrale Herausforderung.

Derzeit üben die meisten Pflegenden ihren Beruf zwar gerne aus. Ihre Zukunftserwartung aber ist pessimistisch - sie rechnen mit steigenden psychischen und physischen Belastungen. Dies stellte Professor Holger Buxel aus Münster auf dem Hamburger Gesundheitspflegekongress fest.

Buxel nannte Umfrageergebnisse, nach denen Pflegende damit rechnen, dass sich die ohnehin oft angespannte Ist-Situation im Arbeitsalltag künftig verschlechtert. Als Kernprobleme haben sich in der Umfrage unter Pflegekräften die Arbeitsverdichtung, die Bezahlung, das Führungsverhalten von Vorgesetzten und die allgemeine Wertschätzung ergeben.

Buxel leitete daraus Punkte ab, mit denen die Zufriedenheit der Pflegenden wieder erhöht werden könnte. Neben der Entlohnung und einer besseren Personalausstattung zählt er auch die gesellschaftliche und die Anerkennung "auf Tagesebene" dazu - Pflegekräfte vermissen nach seiner Einschätzung Lob für ihre Arbeit.

Eine bessere Personalausstattung sei erforderlich, damit die Pflegenden das Hauptmotiv für ihre Berufswahl - die soziale Arbeit mit und für Menschen - wieder stärker berücksichtigt sehen.

Buxel riet Arbeitgebern, die sozialen Aspekte des Berufs bei der Rekrutierung wieder stärker in den Vordergrund zu rücken und auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu setzen - denn unter Pflegenden besteht grundsätzlich eine geringe Bereitschaft zum Umzug oder zum Arbeitsplatzwechsel.

Mit zufriedenen Mitarbeitern könnten Arbeitgeber auch wieder eine positive Zukunftseinstellung der Pflegenden kommunizieren.

Auch das Thema Akademisierung spielte auf dem Kongress eine Rolle. Obwohl es mittlerweile 37 grundständige pflegeausbildende Studiengänge in Deutschland gibt, hat sich der Akademisierungsprozess nach Meinung von Professor Ingrid Darmann-Finck vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) an der Uni Bremen noch nicht durchgesetzt.

"Akademisierte Pflege ist gesellschaftlich umstritten", nannte sie zum Beispiel als Beleg für ihre Skepsis. Einen gesellschaftlichen Konsens für die Notwendigkeit einer akademisierten Pflege kann sie aktuell noch nicht ausmachen.

Zudem sieht sie aber auch keine Ansätze für eine systematische Integration von Pflegekräften mit akademischem Abschluss in der direkten Pflege - auch weil es dafür noch keine Tarifstrukturen und keine Konzepte von Seiten des Managements gibt.

Folge: Pflegekräfte mit Hochschulabschluss arbeiten in aller Regel nicht in der Versorgung. Genau das sollte aber nach ihrer Ansicht das Ziel sein: "Wir wollen mit der Professionalisierung eine Verbesserung der direkten Pflege erreichen."

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