Ärzte Zeitung online, 19.03.2014

Zukunft der Pflege

"Fortschrittsbericht" zeigt die Mühen der Ebene

Seit drei Jahren versucht die Bundesregierung, mit einem "Fachkräftekonzept" auf Engpässe in einzelnen Berufen zu reagieren. Der neue Bericht für das Jahr 2013 verdeutlicht für die Pflegeberufe die kleinen Erfolge und großen Herausforderungen.

BERLIN. Bei der geplanten Pflegereform, warnte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kürzlich im Gesundheitsausschuss, werde "das Wünschenswerte über das Machbare hinausgehen". Das gilt nicht zuletzt für die künftige Gewinnung von Altenpflegern und Mitarbeitern in anderen Gesundheitsberufen.

Das geht aus dem "Fortschrittsbericht 2013" zum Fachkräftekonzept hervor, den das Bundeskabinett kürzlich verabschiedet hat. Das noch von der schwarz-gelben Bundesregierung im Juni 2011 aufgelegte Fachkräftekonzept reicht von der frühkindlichen Bildung über die Aktivierung sogenannter "arbeitsmarktferner" Gruppen bis zur qualifizierten Zuwanderung.

Genügend Fachkräfte werden im schwarz-roten Koalitionsvertrag ausdrücklich als Garant für Wohlstand und Wachstum angesehen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW hat errechnet, dass 100.000 zusätzliche Arbeitskräfte in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt um rund 57 Milliarden Euro im Jahr steigen lassen.

20 Berufsgruppen, in denen Engpässe spürbar sind

Zwar gibt es in Deutschland keinen flächendeckenden Fachkräftemangel, doch hat die Bundesagentur für Arbeit in einer Analyse im Dezember 2013 insgesamt 20 Berufsgruppen ermittelt, in denen qualifizierte Mitarbeiter händeringend gesucht werden - neben technischen Berufen vor allem Gesundheits- und Pflegeberufe: Dies betrifft neben der Humanmedizin die Gesundheits- und Krankenpflege, die Altenpflege sowie die Medizin-, Orthopädie- und Reha-Technik.

Nach einem vom Bundesarbeitsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten, das Szenarien der Arbeitsmarktentwicklung bis 2030 untersuchen soll, werden die größten Engpässe bei Erziehungs- und Sozialberufen, Gesundheitsberufen sowie technischen Berufen erwartet.

Die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers hat vor zwei Jahren in einer Studie behauptet, im Jahr 2030 könnten bundesweit bis zu 460.000 Pflegekräfte fehlen.

Hinzu kommt, dass die Verweildauer in etlichen Gesundheitsberufen stark unterdurchschnittlich ist: 8,4 Jahre in der Altenpflege und 13,7 Jahre in der Gesundheits- und Krankenpflege.

Langfristige Finanzierung der Ausbildung ist unklar

Mit Blick auf Pflegeberufe lässt der "Fortschrittsbericht" angesichts dieser Herausforderungen die Mühen der Ebene erkennen.

Die Bundesagentur für Arbeit meldet zwischen Januar und September vergangenen Jahres 5200 Umschulungsförderungen zur Fachkraft Altenpflege. Dies seien mehr als doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2012, heißt es.

Durch das Gesetz zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege können Jobcenter Umschulungen zwischen April 2013 und März 2016 wieder für drei Jahre fördern. Allerdings steht eine langfristige Zusage für die Finanzierung der Ausbildungskosten durch den Bund und die Länder noch aus.

Dass die Abstimmung zwischen Bund und Ländern ein dickes Brett ist, zeigt sich auch bei der geplanten Modernisierung der Pflegefachausbildungen. Ziel ist es, die Ausbildungen in der Alten-, Gesundheits-, Kranken- sowie bei der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einem einheitlichen Berufsbild zusammenzuführen.

Die Ausbildungsangebote an staatlichen Berufsfachschulen sollten dafür gestärkt werden - und kostenfrei für die Auszubildenden sein. Mahnend heißt es: "Die Finanzbeteiligung der Länder an den Ausbildungskosten der Schulen muss weiterhin gewährleistet sein."

Seit eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe im März 2012 Eckpunkte für die Weiterentwicklung der Pflegeberufe veröffentlicht hat, sind mehrere Gutachten beauftragt worden - doch ein Gesetz ist noch nicht in Sicht. (fst)

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