Ärzte Zeitung, 29.10.2014

Pflegeberufe

Viel Arbeit, wenig Wertschätzung, chaotische Abläufe

Arbeit in der Pflege ist häufig belastend - zu diesem Ergebnis kamen Experten auf dem Gesundheitspflegekongress.

HAMBURG. Organisation und Führung in der Pflegebranche sind in vielen Einrichtungen noch nicht so professionell, wie es die Rahmenbedingungen erfordern. Zu diesem Ergebnis kamen auf dem Gesundheitspflegekongress mehrere Experten in unterschiedlichen Veranstaltungen.

Dies gilt zum Beispiel beim Thema Mitarbeitermotivation: "Bei der Wertschätzung haben Führungskräfte Nachholbedarf", sagte etwa Hedwig Francois-Kettner. Die frühere Charité-Pflegedirektorin und heutige Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit forderte von Arbeitgebern mehr identitätsstiftende Maßnahmen.

Häufig seien Fehler in der Pflegebranche auf organisatorische Probleme zurückzuführen, etwa auf eine hohe Fluktuation bei den Mitarbeitern, auf einen hohen Anteil an Leiharbeitern oder zu geringe Motivation des Personalstamms. Auf der anderen Seite werde die Motivation von Mitarbeitern durch die Führung oft ignoriert.

Klare Analyse von Führungskräften gefordert

Hamburgs Gesundheits-Staatsrätin Elke Badde verlangte von den Führungskräften eine klare Analyse "wo es kneift" und dann einen Maßnahmenkatalog für Verbesserungen. Erforderlich sei dafür eine "offene Kommunikation zwischen Geschäftsführung und Pflegenden", so Badde.

Als ein "riesiges Improvisationstheater" nimmt Gesundheitsmanager Professor Heinz Lohmann viele Abläufe in der Pflegebranche wahr. Er hielt dem Management vor, bislang zu viel Wert auf höhere Taktzeiten und schnelleres Arbeiten, statt auf entlastende Veränderungen zu legen. Lohmann riet der Branche, sich stärker auf die sich seit Jahren abzeichnende Entwicklung vom Patienten zum Konsumenten einzustellen.

Eine klare Absage erteilte er denjenigen, die auf Entlastung durch mehr Personal hoffen und glauben, dass alte Personalstärken wieder erreicht werden. Das Gegenteil sei der Fall: "In zehn Jahren wird jeder Vierte von Ihnen nicht mehr am Patienten arbeiten." (di)

Lesen Sie dazu auch:
Pflegekammer: Warum wollen die Hamburger sie nicht?

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