Ärzte Zeitung online, 06.11.2014

Pflege

Verwaltungsreform fällt beim MDK durch

Die bevorstehende Pflegereform wird vom MDK gelobt - er pocht aber auf seine Unabhängigkeit in der Besetzung der Gremien.

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Für den Grad der Pflegebedürftigkeit sollen in Zukunft andere Kriterien gelten.

© gilles lougassi / Fotolia.com

BERLIN. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) sieht seine Unabhängigkeit gefährdet. Das wurde beim MDK-Kongress am Donnerstag in Berlin deutlich, zu dem auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geladen war.

Für den Entwurf des Versorgungsstärkungsgesetzes musste Gröhe Kritik einstecken. Dieser sieht vor, so Gröhe, die MDK-Verwaltungsräte "für Betroffene und Pflegevertreter" zu öffnen.

Dem erteilte Dr. Volker Hansen, MDS-Verwaltungsratsvorsitzender, eine deutliche Absage: "Unsere Unabhängigkeit ist ein hohes Gut. Die Verwaltungsräte sind nicht für die fachlichen Themen, sondern für Finanzen, Personal und Organisation zuständig.

Diese Gremien zu öffnen, ist ordnungspolitisch nicht der richtige Weg". Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS), sieht es ähnlich: "Anbieterinteresse in diesen Gremien einzubinden, gefährdet unsere Unabhängigkeit. Wir sind offen für die Beteiligung, aber müssen dazu andere strukturelle Formen finden."

Gute Noten für Pflegereform

Viel Lob erhielt Gröhe indes für das Pflegestärkungsgesetz, das am Freitag im Bundesrat zur Abstimmung steht.

"Insbesondere die Leistungsverbesserungen für Menschen mit Demenz sind wichtig, um die Pflegeversicherung an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen. Der nächste Schritt wird die Einführung des neuen Pflegebegriffs sein", sagte Pick.

Die Weiterentwicklung in der Pflege war das zentrale Thema auf der Tagung. Pick erwartet, dass sich die Pflege weiter ausdifferenzieren wird: "Es werden sich neue Wohnformen und Pflegeangebote entwickeln und zusätzliche Angebote zur Betreuung und Entlastungen hinzukommen."

Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs erfordere auch eine andere Form der Begutachtung. "Künftig geht es nicht mehr darum, Minuten zu zählen, sondern den Grad der Selbstständigkeit zu messen", sagte Pick.

Er betonte, dass der MDK darauf vorbereitet sei. In zwei Studien werde aktuell die praktische Umsetzung des Neuen Begutachtungsassessments getestet und der Versorgungsaufwand in Pflegeheimen untersucht.

"Die Ergebnisse dieser Studien werden eine wichtige Grundlage für das Pflegestärkungsgesetz II sein", erklärte der MDS-Geschäftsführer. Die Reform soll, so die Planung, 2015 auf den Gesetzgebungsweg gebracht werden und 2017 in Kraft treten. (wer)

[06.11.2014, 21:50:09]
Dr. Claus Kühnert 
Die Rolle eines Verwaltungsratsvorsitzenden und die eines Geschäftsführers des MDK oder gar des MDS
Es ist schon kein Kuriosum mehr, eher makabre Wirklichkeit, dass Personen in der obigen "Rollenfunktion" trotz Mängeln in medizinischer Fachkenntnis das Schicksal der Betroffenen d. h. "zu Begutachtenden" bestimmen und regulieren. In gleichem Maße müßte man die Qualifikation unserer bisherigen Ministerinnen und Minister für das Gesundheitswesen würdigen.- Eine Ausnahme gab es zwar (ein Facharzt)aber der war noch schlechter als die Anderen. Ich will damit sagen, dass zu viel Blinde über die Farbe reden.
Wenn zu Beginn des Ärzteblattbeitrages von den angeführten Herren so viel Wert auf die Unabhängigkeit der MDK-en und des MDS gelegt wird hat man es auch bitter nötig,dies gehäuft zu behaupten und zu unterstreichen.
Die Wortgewaltigen vergessen dabei ganz einfach die Tatsache, die man einem MDK-Mitarbeiter frühzeitig, nur hinter vorgehaltener Hand, vermitteln muss: "OHNE KRANKENKASSEN UND DEREN GELD GIBT ES KEINEN MDK ODER GAR MDS!!"
Alle notwendigen Neuerungen, schon längst überfällig, beginnen mit den Erkenntnissen der Mitarbeiter an der Basis. Diese waren zu Anfang der Pflegeversicherung ausschließlich Ärzte, auch der unterschiedlichsten Qualifikation. Aber alle hatten insgesamt FACHKENNTNISSE eines großen medizinischen Spektrums. Die Reflexion deren Erfahrungen waren fachgebunden aber leider nicht immer sachbezogen, wenn es um Alte und Pflegebedürftige ging. Die neue Gutachtergeneration begann dann bald mit den mehr oder weniger gut qualifizierten "Fachpflegekräften", d. h. Krankenschwestern und Pfleger, denen oft der Kliniksbetrieb zu stressig wurde und unterbezahlt war. Mit der Übernahme in den MDK kam für viele mehr Ruhe in's Leben und mehr Geld in die Haushaltskasse. - Jetzt folgt erwartungsgemäß ein großer Aufschrei des Entsetzens und meiner Beschimpfung!. Sei es drum.
Mit dem verbesserten Image des Einzelnen kam es aber nicht ausreichend zur qulitativen Verbesserung, im Gegenteil. Selbst nach Widersprüchen gegen unrichtig gefällte Pflegeantragsentscheidungen, folgt eine Nachbegutachtung wiederum durch eine "Fachpflegekraft" und das Dilemma wiederholt sich. Insgesamt gebe es aus sozialmedizinischer und ärztlicher Sicht dazu noch sehr sehr viel zu sagen, sprengt aber den Rahmen eines solchen Kommentars.
Nur noch soviel: Solange sich die Verantwortlichen des MDS (und der untergeordneten MDK-en) samt dem Minister gegenseitig gute Pflegereformnoten bescheinigen, wenn auch nach zeitweisem mit einander hadern, solange wird sich nichts grundlegend Sinnvolles im Pflegesystem ändern. Das Minutensystem der Pflegebeurteilung ist ebenso desaströs wie das System der Fallpauschalen im klinisch stationären Sektor. Weniger Palaver vor, danach und mittendrin wäre hilfreicher für uns alle.
Wenn wir dann noch die KV-en endlich abschaffen haben wir wieder soviel Geld in den Kassen, dass der stationäre und ambulante Sektor einschließlich des Pflegesystems gesunden können.
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