Ärzte Zeitung online, 09.06.2015

Pflegeberufegesetz

Aus drei mach eins

Das Pflegeberufegesetz ist am Start. Die Bundesregierung setzt darin auf die generalistische Ausbildung in der Pflege: Drei Ausbildungsberufe sollen zu einem verschmelzen.

NEU-ISENBURG/BERLIN. Die Bundesregierung setzt auf die generalistische Ausbildung in der Pflege. Gleichzeitig will sie die Finanzierung der Pflegeausbildung auf eine neue Basis stellen.

Das geht aus einem vorläufigen Arbeitsentwurf für ein Pflegeberufegesetz hervor, den Gesundheits- und Familienministerium gemeinsam erarbeitet haben. Das Papier liegt der "Ärzte Zeitung" vor.

"Der Zug Richtung generalistische Ausbildung ist ins Rollen gekommen", sagte der Präsident des Deutschen Pflegerates Andreas Westerfellhaus am Dienstag der "Ärzte Zeitung". Der Deutsche Pflegerat setzt sich für das Zusammenlegen der Ausbildungsgänge von Kinderkrankenpflegern, Kranken- und Altenpflegern ein.

Nicht im Tempo nachlassen

Wichtig sei, dass die Regierung im Tempo jetzt nicht nachlasse. Die Träger der Pflegeausbildung erwarteten ein abgeschlossenes Gesetzesverfahren noch in diesem Jahr.

Keinen Anlass zur Freude sieht der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer. "Damit wird die Altenpflege in Deutschland abgeschafft", sagte Meurer.

Pflege-Azubis würden weniger Praxiserfahrungen sammeln und weniger als bisher lernen können.

Das Papier diente offenbar als Grundlage für die Bund-Länder-Gespräche Anfang des Monats. Es sei noch nicht mit der Leitungsebene der Häuser abgestimmt, hieß es dazu.

Finanzierung neu regeln

Es enthält auch Vorschläge, die Finanzierung der Pflegeausbildung neu zu regeln. Mit der Idee von Fonds, die auf Landesebene organisiert werden sollen, will die Regierung einheitliche Bedingungen für die 133.000 Auszubildende in der Pflege insgesamt schaffen.

In vielen Bundesländern müssen Altenpflegeschüler noch Schulgeld bezahlen. Diese Praxis wollen Bund und Länder ändern. Die Fonds sollen von Kliniken, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, dem Land sowie aus der sozialen und privaten Pflegeversicherung gespeist werden.

Daran entzündet sich Kritik. Dass sich die Sozialversicherung beteiligen soll, halten die privaten Arbeitgeber für skandalös. Beim Deutschen Pflegerat sieht man die Pläne gelassener. Die Fonds gewährleisteten zumindest eine gleichmäßige Beteiligung der Akteure.

Die neue hochqualifizierte Ausbildung müsse aber ausreichend finanziert werden, forderte Westerfellhaus. Eine Billiglösung dürfe es auf keinen Fall geben. (af/bee)

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