Ärzte Zeitung, 20.07.2015

Laumann

Generalistik soll Personalnot in der Pflege bekämpfen helfen

Die Pflegereform der Koalition zeitigt erste Erfolge. Die größten Herausforderungen stehen der Pflegepolitik aber noch bevor, sagt Karl-Josef Laumann.

BERLIN. Die Pflegereform ist angelaufen. Die Hälfte der rund 12.000 stationären Altenpflegeeinrichtungen hat bereits zusätzliche Betreuungskräfte zur Entlastung der professionellen Pfleger eingestellt.

Darauf hat der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), im Interview mit der "Ärzte Zeitung" verwiesen.

Das zusätzliche Personal wirke sich nicht auf die Pflegesätze aus. "Die Einrichtungen müssen ihre Leistungen nicht teurer anbieten. Deshalb stellen sie die Leute ein", sagte Laumann.

Mangel an Pflegekräften ist "größte Herausforderung"

Seit Anfang des Jahres ist das erste Pflegestärkungsgesetz in Kraft. Einrichtungen können seither je 20 Bewohner eine zusätzliche Betreuungskraft einstellen. Insgesamt sollen zu den bereits vorhandenen 20.000 Helfern weitere 25.000 hinzukommen.

Den Mangel an voll ausgebildeten Pflegekräften bezeichnete Laumann als die "größte Herausforderung" im Pflegebereich. "Das treibt mich um", sagte der CDU-Politiker.

Nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg bleiben offene Stellen in der Pflege immer länger unbesetzt, weil der Nachwuchs fehle.

Im Juni kamen zum Beispiel in Baden-Württemberg auf je 100 Stellenangebote nur 28 Bewerber. Fachleute gehen davon aus, dass in 20 Jahren deutlich mehr als 100.000 Pflegekräfte fehlen dürften.

Dann kommen die geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre in das Alter, in dem verstärkt Pflegebedürftigkeit auftritt.

Gesetz soll 2017 in Kraft treten

Die große Koalition reagiert darauf mit einem Gesetz, das eine gemeinsame Grundausbildung von Alten- und Krankenpflegern vorsieht. Seine Hoffnung sei, dass die Generalistik die Altenpflege auf Augenhöhe mit der Krankenpflege bringe, sagte Laumann.

So solle der Beruf insgesamt attraktiver werden. Zudem könne dies die Delegation ärztlicher Leistungen auch in Altenheimen erleichtern. Verbände der Altenpflege haben sich entschieden gegen dieses Vorhaben ausgesprochen. Damit gehe die Expertise der Altenpflege verloren, argumentieren sie.

Die vollständige Ausweitung der Leistungen der sozialen Pflegeversicherung auf an einer Demenz erkrankte Menschen bezeichnete Laumann als "historisch".

Der Gesetzentwurf soll nach der Sommerpause in die parlamentarischen Beratungen gehen und im Januar 2017 in Kraft treten. (af)

Hier gehts zum ausführlichen Interview.

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Karl-Josef Laumann (394)
[20.07.2015, 17:03:14]
Dr. Henning Fischer 
in den meisten Altenheimen hier vor Ort ist die medizinische Versorgung absolut unzureichend

also: AltenpflegerInnen lernen auch Krankenpflege

oder

es werden zusätzlich KrankenpflegerInnen eingestellt?

der status quo ist jedenfalls m.E. nicht zu verantworten

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