Ärzte Zeitung, 12.10.2015

Arbeitsverdichtung

Eine Großbaustelle in Kliniken

Eine Großbaustelle in Kliniken

Investitionen in die personelle Ausstattung helfen, die Qualität in der Pflege sicherzustellen.

HAMBURG. Kurzfristig Geldspritzen, langfristig Überprüfung des gesamten Finanzierungssystems: So soll der Krankenpflege in Deutschland bei der Bewältigung der Probleme geholfen werden.

Diesen Weg skizzierte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) beim Gesundheitspflegekongress in Hamburg.

Sie verwies in diesem Zusammenhang auf Nachbesserungen beim Krankenhausstrukturgesetz, von denen auch die Pflege finanziell profitieren wird. Zu den wichtigsten Problemen in den Krankenhäusern zählt nach Prüfer-Storcks neben dem Fachkräftemangel die Arbeitsverdichtung in den Krankenhäusern.

"Es gibt mehr und schwierigere Fälle. Trotzdem ist bei der Pflege am Bett gespart worden", sagte Prüfer-Storcks. Dies sei schlecht für die Qualität, aber auch für die Nachwuchsgewinnung, so die Gesundheitssenatorin weiter.

Langfristig erhofft sie sich wichtige Erkenntnisse zur Personalbemessung, damit der individuelle Pflegebedarf besser abgebildet werden kann. Hierfür hält Prüfer-Storcks differenzierte Fallpauschalen für dringend erforderlich.

Deutlich wurde in Hamburg auch, dass einzelne Krankenhausträger längst nach Lösungen gegen die Arbeitsverdichtung im Pflegebereich suchen.

Erprobung einer zentralen Patientensteuerung

Beispiel Asklepios: In drei Häusern des Klinikkonzerns wird eine zentrale Patientensteuerung erprobt, über die eine Clusterung nach Betreuungsbedarf erfolgt. In Kategorie eins fallen Patienten, die ambulant operiert werden.

In Kategorie zwei Patienten mit einfachen Erkrankungen, die keine kontinuierliche ärztliche und pflegerische Betreuung, aber den stationären Aufenthalt benötigen. In Kategorie drei schließlich werden Patienten mit komplexen und schweren Erkrankungen sowie Notfälle eingestuft.

Je nach Kategorie fällt die Betreuungsintensität unterschiedlich aus. Grund für das Modell ist die Annahme, dass derzeit in deutschen Krankenhäusern die personellen Ressourcen nicht optimal eingesetzt werden. "Wir müssen Krankenhaus neu denken und uns von tradierten Abläufen lösen", sagte hierzu Asklepios-Konzerngeschäftsführer Dr. Andreas Hartung.

Nach seiner Ansicht wird es dafür höchste Zeit, er erwartet eine zunehmende Unterfinanzierung der Kliniken in Deutschland: "Mit herkömmlichen Instrumenten stoßen wir an unsere Grenzen." (di)

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