Ärzte Zeitung, 15.10.2015

Demenz und Depression

Ärzte brauchen mehr Unterstützung

Die Gesellschaft wird immer älter - und mit dem Alter steigt auch die Zahl psychischer Erkrankungen, zeit eine aktuelle Studie. Experten fordern deshalb, Ärzte bei Demenz, Depression und Co. besser zu unterstützen.

Von Martina Merten

Ärzte brauchen mehr Unterstützung

Demenzpatientin im Pflegeheim: Viele der Betroffenen leiden an Depressionen.

© Alepnull / fotolia.com

BERLIN. Viele Gesellschaften dieser Welt, so auch die deutsche, werden immer älter. Mit dem Alter einhergehend ist auch die Zunahme psychischer Erkrankungen, lautet ein Ergebnis der AgeMooDe und der AgeMooD Synergie Studie, die auf dem 14. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung in Berlin vorgestellt wurde.

Etwa 17 Prozent der untersuchten Patienten im Alter von 75 und mehr Jahren leiden der Studie zufolge an einer Depression, an einer "major depression" sieben Prozent, so Professor Steffi Riedel-Heller, Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health an der Universität Leipzig.

Hilfe vom Demenz-Manager

Der Anteil depressiver Patienten steigt den Studien zufolge mit dem Alter, ebenso steigen die Kosten, die mit der Behandlung depressiver Patienten verbunden sind - und zwar in allen Bereichen, sei es bei stationären Behandlungen, bei der ambulanten ärztlichen Versorgung, bei Medikamenten oder in der Pflege.

"Neue Behandlungswege sind notwendig, um diesen Herausforderungen Herr zu werden", unterstrich Riedel-Heller.

Mögliche Wege, wie beispielsweise Demenzkranke als Gruppe psychisch Kranker innovativer versorgt werden könnten, untersucht die Delphi-MV-Studie, deren erste große Auswertung im Jahr 2016 erfolgt. Ziel der bundesweit einzigartigen Studie ist es, langfristig die Lebenssituation von Demenzkranken und deren Familien zu verbessern.

Durchschnittlich nehmen Demenzkranke sieben Medikamente parallel ein, berichtete Professor Wolfgang Hoffmann, Leiter der Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health von der Universität Greifswald. Häufig werden laut Hoffmann bei der Einnahme der Arzneien, deren Lagerung und Dosierung Fehler gemacht.

Bereits vor vier Jahren wurden als Teil der Studie so genannte Dementia Care Manager (DCM) in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt, speziell weitergebildete Pflegekräfte zur Versorgung zu Hause lebender Menschen mit Demenz und zur Unterstützung der Familien.

Hausärzte akzeptieren Assistenz

"Die Zufriedenheit der Ärzte mit den DCM ist hoch", fasste Hoffmann Zwischenergebnisse der Studie zusammen. Die Versorgung von Demenzkranken sei ein Feld, auf dem Hausärzte bereit seien, mit anderen Gruppen zu kooperieren.

DCM sollten deshalb in die Regelversorgung aufgenommen werden. Eine große Versorgerkasse zeige starkes Interesse. "Wir hoffen auf ein Modellprojekt und im Rahmen dessen eine breite Umsetzung des Konzepts."

Grundsätzlich ist die Versorgung von an Demenz erkrankten Senioren im Pflegeheim günstiger als zu Hause, lauten Ergebnisse der AgeCoDe-Studie, die Wissenschaftler am Institut für Gesundheitsökonomie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf durchführten.

Im Rahmen der Studie wurden 128 Demenzpatienten zu Hause und 48 Patienten im Pflegeheim untersucht. Die Kosten für medizinische Leistungen wie Medikamente, ärztliche Leistungen und Pflegeleistungen (auch informelle Pflege) wurden miteinander verglichen.

Die Kosten für die Pflegeheimpatienten beliefen sich auf rund 33.000 Euro pro Jahr, die für die Demenzpatienten zu Hause auf knapp 30.000 Euro.

Allerdings war der Schweregrad der Demenz bei den Heimpatienten weitaus höher als bei denen zu Hause, erläuterte Christian Brettschneider vom Institut. Hauptgrund für höheren Kosten der Heimpatienten sei deren hohe Inanspruchnahme informeller Pflegeleistungen.

Datengrundlage der vorgestellten Ergebnisse bilden laut Angaben der Referenten z.B. große deutsche bevölkerungs- und allgemeinartzbasierte Alterskohorten wie die Leipziger Langzeitstudie in der Altenbevölkerung (LEILA 75+) und die multizentrischen German Study on Ageing, Cognition and Dementia in Primary Care Patients (AgeCoDe) Studie. Weitere Resultate basieren auf der multizentrischen allgemeinarztbasierten AgeMooDe-Studie, einer großen versorgungsorientierten multizentrische Studie, bei der 1200 Allgemeinarztpatienten, die 75 Jahre und älter waren, untersucht wurden.

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