Ärzte Zeitung online, 24.11.2015

Gefahr für Leib und Leben

Heimaufsicht will Bremer Seniorenheim schließen

Die Heimaufsicht plant, ein Bremer Seniorenheim wegen erheblicher Pflegemängel zuzusperren. Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück - und setzt sich zur Wehr.

BREMEN. Die Bremer Heimaufsicht will das Pflegeheim Huchtinger Seniorenresidenz wegen der Gefahr für Leib und Leben der 63 Bewohner schließen. Das bestätigt der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Bernd Schneider, der "Ärzte Zeitung".

Dagegen hat die Betreiberin des Heimes, die Mediko GmbH, beim Verwaltungsgericht Bremen eine einstweilige Verfügung beantragt, die derzeit geprüft wird.

Was ist geschehen? Bereits seit 2013 hätten Hausärzte und Angehörige Beschwerden gegen das Heim vorgebracht, sagt Schneider.

Der Huchtinger Hausarzt Dr. Günther Egidi bestätigt das, sowohl aus der Erfahrung mit seinen vier Patienten in dem Heim als auch über Angehörige anderer Bewohner sowie über ehemalige Pflegende in dem Haus. "Wir haben uns mit den Huchtinger Hausärzten zusammengesetzt und die Beschwerden gesammelt", sagt Egidi.

Schlechte Hygiene

Die Rede ist von erheblichen Pflegemängeln, schlechter Hygiene und Wassermangel bei den Bewohnern. Zum Teil sei Bewohnern mit Schluckstörungen das Essen nicht angereicht worden, sodass sie sich verschluckt und infolgedessen Pneumonien entwickelt hätten und daran gestorben seien.

Die Mitarbeiter des Hauses hätten sich gegenüber den Hausärzten mitunter verzweifelt über die Mängel in der Seniorenresidenz beklagt. "Das Haus war ein Skandalheim", sagt Egidi.

Nach den Beschwerden der Heimaufsicht sei nun aber noch unklar, inwieweit sich die Situation verbessert habe. "Wir unterstützen deshalb den Aufschub der Schließung, um zu sehen, ob es im Heim besser geworden ist", sagt Egidi.

Dieter Prothe, Geschäftsführer der Mediko GmbH, weist die Vorwürfe der Heimaufsicht zurück. "Ja, es gab Vorwürfe, vor allem, was die Prozessqualität angeht", sagt Prothe der "Ärzte Zeitung".

So hätten Pflegerinnen zwar Wasser auf die Nachttische gestellt, es den Bewohnern aber nicht immer aktiv angereicht.

Keine "gefährliche Pflege"

Das Ergebnis einer externen Prüfung habe ergeben, dass in der Huchtinger Seniorenresidenz nicht von gefährlicher Pflege die Rede sein könne und alle bisherigen Anordnungen der Heimaufsicht mit sofortiger Wirkung umgesetzt wurden.

"Inzwischen haben wir neun Pflegerinnen mehr in der Huchtinger Seniorenresidenz als wir nach dem gültigen Schlüssel eigentlich müssten", sagt Prothe. Bis Donnerstag will das Verwaltungsgericht entscheiden.

Die Mediko GmbH betreibt 18 Pflegeheime, drei weitere sind im Bau. Die Gesellschaft gehört zur Lindhorst-Holding, die unter anderem im Agrar- und Immobiliengeschäft tätig ist. (cben)

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[26.11.2015, 22:01:16]
Heidi Eberhardt 
Maximale Gewinnorientierung
Als ehemalige Altenpflegerin, jetzt Krankenschwester, kenne ich die Arbeitsdichte, aufgeblasene Dokumentation, Verwalten von QM-Ordnern in beiden Bereichen. Ich bin mir sicher, dass Herr Prothe nicht an das Wohl seiner Bewohner, sondern an maximaler Gewinnorientierung interessiert ist, wozu er von der MEDIKO GmbH angehalten wird. Es sind mal wieder die "bösen", fremdsprachigen Pflegerinnen, die die Pflege-und Versorgungsprozesse nicht umsetzen.
Bei 63 Heimbewohnern wurden 9 Pflegekräfte (wahrscheinlich vorübergehend)eingestellt. Ich mag mir nicht vorstellen, wie es vor der Prüfung der Heimaufsicht zugegangen ist. Aber solange Windeln, Einmalhandschuhe und andere wichtige Pflegeartikel in der Altenpflege von den Betreibern rationalisiert werden, die Fachkräftequote nur auf dem Papier steht,kann es mit der Ergebnisqualität nicht weit her sein. Das ist kein Einzelfall und findet nicht irgendwo auf der Welt statt, sondern in Deutschland. Herr Prothe, in welchem Altenheim haben Sie geplant ihren Lebensabend zu verbringen? Bestimmt nicht in Ihrem..  zum Beitrag »

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