Ärzte Zeitung, 15.02.2016

Pflege

Forscher für raschen Start der Generalistik

BERLIN. "Kliniken und Schulen stehen bereit, auf die generalistische Pflegeausbildung umzusteigen." Darauf verweist Professor Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln. Er empfiehlt, die Umstellung baldmöglichst zu starten.

"Ein Moratorium, das das laufende Gesetzgebungsverfahren unterbricht, ist das größere Risiko für die Pflege", sagte Weidner der "Ärzte Zeitung".

Mit dem geplanten Pflegeberufegesetz sollen die drei Pflegeausbildungen - Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege - in einer Ausbildung zusammenführt werden.

Die Grünen-Abgeordnete Elisabeth Scharfenberg hat gemeinsam mit NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens ein "Moratorium" gefordert, um noch offene Fragen der Reform klären zu können. Dagegen verwies Weidner darauf, dass die Einführung der generalistischen Ausbildung bereits umfangreich erforscht worden sei.

In rund 40 Modellversuchen habe sich gezeigt, dass die zu vermittelten Kompetenzen in den drei Ausbildungen nahezu deckungsgleich sind. "Zum Beispiel müssen alle Fachkräfte einen Pflegeprozess planen können, egal ob sie es nun mit Kindern, Senioren oder Erwachsenen zu tun haben", erklärt Weidner.

Von 2004 bis 2008 war zudem im Modellvorhaben "Pflegeausbildung in Bewegung" in acht Bundesländern getestet worden, wie sich die Ausbildungen zusammenführen lassen.

"Der beteiligte Fachbeirat hat zum Schluss empfohlen, die Generalistik einzuführen", berichtet Weidner. Viele Einrichtungen stünden zudem dem Vorhaben positiv gegenüber.

Anlässlich der Landesberichterstattung Gesundheitsberufe 2013 seien Kliniken und Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen zum Thema befragt worden: "Rund 70 Prozent der Krankenhäuser und 55 Prozent der ambulanten Dienste haben darin, die Generalisierung der Pflegeausbildung befürwortet", erklärt Weidner. (wer)

[18.02.2016, 17:37:15]
Kurt-Michael Walter 
Generalistische Pflegeausbildung – Ein Modell mit hohen Risiken für die Pflegbranche?

Ist Vorsicht angebracht wenn Pflegeforscher den raschen Start der Generalistik fordern?

Ja, wenn Pflegeforscher wie Prof. Frank Weidner öffentlich erklären, dass die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung bereits „erfolgreich erforscht“ worden sei und dies mit angeblich rund 40 Modellversuchen. Die angewandte Forschermethodik: Man bastele ein Modell und Forscht mal munter drauf los, „natürlich experimentell-wissenschaftlich fundiert“, ganz nach dem Denkspruch „Versuch macht Klug“ und beweist damit seine Annahmen und Thesen.

Die „Forschererkenntnis“ aus den Modellversuchen: Alle zu vermittelten Kompetenzen in den drei Ausbildungen (Kinderkrankenpflege, Krankenpflege am Erwachsenen und Altenpflege (Ambulant und Stationär) seien nahezu deckungsgleich und deshalb sei bewiesen, dass die generalisierte Pflegeausbildung der einzig richtige Weg sei.

Am Beispiel „Planung eines Pflegeprozesses“ will Weidner tatsächlich nachgewiesen wissen, dass es egal sei wer diesen Pflegeprozess plant, er argumentiert, dass alle „Pflegefachkräfte“ nach Modelleinführung, gemeint ist die generalistische Pflegeausbildung, in der Lage seien die Planung für einen Pflegeprozess egal ob für Kinder, oder Erwachsene, gleichermaßen kompetent umsetzen werden könne. Diese Vorstellung, dass die Planung eines Pflegeprozesses in Zukunft von Pflegefachkräften auf „Modellbasis bzw. Experimentell Basis “ durchgeführt werden würde, treibt Schweißperlen der Angst auf die Stirn von Arbeits-, Bildungs-, Rechts- und Organisationswissenschaftlern.

Es ist kaum vorstellbar, dass sich Klinik-Manager Leitende Chefärzte, Bildungsmanager und verantwortungsvolle Gesundheitspolitiker unter solchen Voraussetzungen bereit sind eine generalisierte Pflegeausbildung Widerspruchslos zu befürworten.

Fazit: Weder die Modelle von Pflegforschern, noch Statistiken und Befragungen ohne Angabe der Fragestellung und Erhebungsabsicht bekräftigen die Forderung zu einem raschen Start der Generalistik.

Ein Moratorium, das das laufende Gesetzgebungsverfahren unterbricht, ist nach solchen Statements wie das von Herrn Prof. Frank Weidner, dringend geboten. Das Risiko für die Pflege sind die „wissenschaftliche Experten“ die denken mit der Einführung der generalisierten Pflegeausbildung auf eine „Goldader“ gestoßen zu sein.
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[18.02.2016, 14:31:28]
Silke Ludowisy-Dehl 
Pro Generalistik heißt Pro Zukunft Pflege
Nur wer der generalistischen Ausbildung zustimmt, steht ernsthaft zu der Zukunft der Pflege. Ich denke hier insbesondere an die pflegebedürftigen Menschen (egal ob alt ob jung, ob akut oder dauerhaft pflegebedürftig). Nur ein einheitlicher Bildungsstandard kann dazu beitragen, dass alle pflegebedürftigen Menschen die gleiche fachkundige Pflege erhalten. Eine Spezialisierung kann erst nach einer generalistischen Ausbildung erfolgen. Niemand würde auf die Idee kommen, das generalistisch ausgerichtete Medizinstudium aufzugeben und sofort den Facharzt auszubilden. Das Wissen in der Pflege vermehrt sich ständig, daher ist auch lebenslanges Lernen gefragt! Die Attraktivität eines Berufes wird auch von den Arbeitsbedingungen im Arbeitsalltag bestimmt. Je mehr Möglichkeiten sich bieten, umso attraktiver wird der Beruf! Wenn Institutionen befürchten, keinen Nachwuchs mehr zu bekommen, dann ist der Widerstand gegen die Generalistik nicht das richtige Mittel! Wer eine zukunftssichere Pflege will, stimmt für die generalistische Ausbildung! zum Beitrag »
[16.02.2016, 23:18:46]
Ulrike Messerschmied 
Welche Schulen meint Herr Prof. Weidner?
Die Altenpflegeschulen können jedenfalls nicht gemeint sein: Die zittern nämlich gerade um ihre Existenz, weil die geplante generalistische Ausbildung in die Nähe der Klinikbereiche rücken wird. Dass Herr Weidner erst gar nicht erwähnt, ob und mit welchem Ergebnis vollstationäre Altenpflegeeinrichtungen befragt wurden, verwundert hingegen kaum: Als Verlierer dieser teuren und offensichtlich dilettantisch vorbereiteten Reform werden sie seiner Argumentation wohl sehr viel kritischer gegenüberstehen, als Kliniken und ambulante Dienste. Die 55 Prozent der letztgenannten sind übrigens nicht gerade überwältigend, oder ...?! zum Beitrag »
[16.02.2016, 23:16:48]
Ulrike Messerschmied 
Welche Schulen meint Herr Prof. Weidner?
Die Altenpflegeschulen können jedenfalls nicht gemeint sein: Die zittern nämlich gerade um ihre Existenz, weil die geplante generalistische Ausbildung in die Nähe der Klinikbereiche rücken wird. Dass Herr Weidner erst gar nicht erwähnt, ob und mit welchem Ergebnis vollstationäre Altenpflegeeinrichtungen befragt wurden, verwundert hingegen kaum: Als Verlierer dieser teuren und offensichtlich dilettantisch vorbereiteten Reform werden sie seiner Argumentation wohl sehr viel kritischer gegenüberstehen, als Kliniken und ambulante Dienste. Die 55 Prozent der letztgenannten sind übrigens nicht gerade überwältigend, oder ...?! zum Beitrag »

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