Ärzte Zeitung, 17.03.2016

Pflege-Azubis

Harte Landung in der Realität

Die Befragung von Verdi wirft kein gutes Licht auf die Ausbildungsbedingungen von Pflege-Nachwuchskräften: Zeit- und Personalnot regieren vom ersten Tag an.

BERLIN. Viele der gegenwärtig rund 137.000 Auszubildenden in der Alten-, Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflege werten die Qualität ihrer Ausbildung kritisch.

Das geht aus einer schriftlichen Befragung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi unter 3410 Azubis aus 13 Bundesländern hervor. Die Ergebnisse sind jüngst im "Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015" veröffentlicht worden.

Drei Viertel der Befragten ist in der Gesundheits- und Krankenpflege tätig, 11,3 Prozent in der Altenpflege; 80 Prozent der Umfrageteilnehmer waren Frauen. Knapp 60 Prozent der Befragten waren maximal 21 Jahre alt. Zentrale Ergebnisse im Überblick:

Zufriedenheit: 58,5 Prozent der Azubis sind mit ihrer Ausbildung "zufrieden", davon 13,1 Prozent "sehr zufrieden". Dieser Wert liegt deutlich unter der Quote in allen anderen Ausbildungsberufen (71,5 Prozent).

Praktische Anleitung: Die praktische Ausbildung soll eigentlich durch sogenannte Praxisanleiter begleitet werden. Doch ein Drittel der Azubis antwortet mit "Nein" oder "überwiegend Nein" auf die Frage, ob sie vor Ort an ihre beruflichen Aufgaben herangeführt werden. Bei anderen Ausbildungsberufen geben nur 14,2 Prozent der Azubis an, sie würden selten oder nie durch ihren Ausbilder betreut.

Überstunden: Azubis dürfen nur ausnahmsweise zu Überstunden herangezogen werden. Von allen Befragten gab allerdings fast ein Drittel an, regelmäßig länger arbeiten zu müssen, in der Altenpflege sind es sogar 41,2 Prozent. Verdi sieht in diesen Zahlen den Beleg für eine "chronische Unterbesetzung der Einrichtungen mit Planstellen".

Stations-Hopping: Arbeitsverdichtung und Personalmangel sind der Grund, wenn Azubis kurzfristig auf andere Stationen oder Wohnbereiche versetzt werden. Knapp 60 Prozent der Krankenpflege-Azubis berichten davon, in der Altenpflege sind es 42 Prozent. Von denen, die kurzfristig versetzt werden, geschieht dies bei 36,4 Prozent zwei Mal im Halbjahr, bei 38,4 Prozent drei- bis fünf Mal. Bei fast jedem Vierten kommt dies sogar öfter als sechs Mal im Halbjahr vor.

Ausbildungskosten: 35,1 Prozent der Azubis müssen Schulgeld zahlen. Knapp 78 Prozent von ihnen blechen bis zu 250 Euro im Monat, 5,4 Prozent sogar mehr als 500 Euro. (fst)

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