Ärzte Zeitung, 23.12.2014

Reha

Teamarbeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Kooperation macht Reha erfolgreich. Das haben Studien aus der Reha-Forschung gezeigt.

HANNOVER/FREIBURG. Eine Reha ist offenbar dann besonders erfolgreich, wenn die Zusammenarbeit der Beschäftigten in den Einrichtungen gefördert wird.

Unter dem Projekt-Titel "Merkmale einer erfolgreichen Reha-Einrichtung" (MeeR) hat Professor Torsten Meyer von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sechs Reha-Kliniken je eine Woche besucht und sie verglichen.

Drei der ausgewählten Kliniken waren überdurchschnittlich erfolgreich, die anderen drei unterdurchschnittlich erfolgreich.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass das gute oder schlechte Abschneiden weder auf unterschiedliche Patienten-Merkmale noch auf die überprüften Parameter in der Reha-Qualitätssicherung zurückzuführen waren.

900 Beschäftigte befragt

Das MeeR-Forschungsprojekt nun zeigte, dass es drei systematische Unterschiede zwischen den Einrichtungen gibt.

So fördern die erfolgreicheren Kliniken eher die Zusammenarbeit in Reha-Teams. Sie beteiligen intensiv die Rehabilitanden an der Entwicklung der Therapieziele und lassen den Mitarbeitern Spielraum, das Reha-Angebot mituzugestalten.

"In die Teamentwicklung zu investieren, wäre ein guter Ansatz, um die Qualität zu sichern", sagt auch Mirjam Körner von der Universität Freiburg.

Die Psychologin hat rund 900 Beschäftigte von zehn Reha-Einrichtungen zur Team-Arbeit befragt. Konkret wollte sie herausfinden, was unter einer guten Teamarbeit zu verstehen ist und wie das professionelle Wissen der beteiligten Berufsgruppen in die Praxis integriert wird.

Es zeigte sich, dass es in vielen Reha-Teams, so Körner, zu wenig Bemühen gibt, die Sichtweise der anderen Berufsgruppe zu verstehen. Sie plädiert dafür, Teams dabei zu unterstützen, ein gemeinsames Aufgabenverständnis zu entwickeln.

Hierarchie ist eher hinderlich

Dass auch externe Vorgaben die Teamarbeit in den Kliniken befördern, haben begleitende Studien bei der Einführung der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) gezeigt. Die MHH und die Universität Würzburg haben im Rahmen der "MBOR-Management-Studie" Beschäftigte aus sieben Reha-Kliniken befragt, um Erfolgsfaktoren zu ermitteln.

Alle Teams betonen demnach, dass eine enge multiprofessionelle Zusammenarbeit überaus wichtig sei. In der Untersuchung, so die Soziologin Betje Schwarz (MHH), schneiden jene Teams am besten ab, in denen die Gesundheitsprofessionen gleichrangig an Diagnostik und Therapie beteiligt sind, über Ziele und Strategien gemeinsam entscheiden und sich während der gesamten Rehabilitation intensiv austauschen.

Weniger erfolgreich sind Teams, die stärker hierarchisch aufgebaut sind und eine medizinisch-orientierte Arbeitsstruktur aufweisen. (wer)

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