Ärzte Zeitung, 06.06.2016

Statistik zur Suchtrehabilitation

Alkohol vor Drogen

Teure Sucht: 15 Prozent der Gesamtausgaben der Deutschen Rentenversicherung entfallen auf die Suchtrehabilitation. Das geht aus dem aktuellen Jahrbuch Sucht hervor. Langfristig scheinen sich die Kosten allerdings zu lohnen.

Alkohol vor Drogen

Der häufigste Grund für eine Suchtreha ist Alkohol: 2014 waren es mehr als zwei Drittel der Fälle.

© Yurok Aleksandrovich / fotolia.com

BERLIN. 493 Millionen Euro betrugen 2014 die Kosten der Suchtrehabilitation durch die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV-Bund) - und entsprachen damit 15 Prozent der Gesamtausgaben für die medizinische Rehabilitation der Rentenversicherung.

Alkoholabhängigkeit ist dabei nach wie vor der häufigste Grund für eine Entwöhnungsbehandlung, schreiben Barbara Neumann und Verena Bonn von der DRV-Bund im aktuellen Jahrbuch Sucht, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) kürzlich in Berlin vorstellte.

In dem Jahrbuch gibt die DHS einmal jährlich aktuelle Zahlen zur Drogenverbreitung, zur Rauschgiftlage, zu Suchtmitteln im Straßenverkehr sowie zur Versorgung von Abhängigen heraus.

Der Anteil der alkoholabhängigen Rehabilitanden sank im Untersuchungszeitraum (2004-2014) von 76 auf 70 Prozent. Es begaben sich zuletzt mehr Frauen (78 Prozent) als Männer (68 Prozent) in eine Alkohol-Entwöhnungsbehandlung.

Als zweithäufigste Diagnose für eine Suchtrehabilitation wurde in 2014 eine Drogenabhängigkeit angegeben. Insgesamt führte die Rentenversicherung im Jahr 2014 50.485 Rehabilitationen für Abhängige stationär und ambulant durch. Damit lag der Anteil leicht unter dem von 2004 (52.536).

Sterblichkeit liegt bei drei Prozent pro Jahr

Die Ausgaben scheinen sich jedoch zu lohnen: Denn unmittelbar vor der Reha war nur etwa die Hälfte der Männer und Frauen noch erwerbstätig.

Drei Viertel der Rehabilitanden waren sogar in den letzten zwölf Monaten vor der Maßnahme arbeitsunfähig. Nach der Reha entließ die Rentenversicherung dagegen 73 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer als arbeitsfähig, schreiben Neumann und Bonn.

Eine Untersuchung des Zwei-Jahres-Verlaufs für Rehabilitanden, die 2011 eine Sucht-Reha beendet haben, zeigt, dass von den Entlassenen 24 Monate später sogar 89 Prozent arbeiten und nur elf Prozent aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind.

Die Sterblichkeit liegt den Erhebungen zufolge bei drei Prozent pro Jahr bei einem Durchschnittsalter der pflichtversicherten Rehabilitanden von 41,8 Jahren.

Reha war ein Erfolg, finden etwa drei Viertel

Direkt nach der Reha hatten in einer Befragung von mehr als 5000 Rehabilitanden (zwischen Oktober 2013 und September 2014) zur subjektiven Besserung nach stationärer Suchtrehabilitation 75 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer angegeben, "voraussichtlich langfristig abstinent" zu bleiben. Kurzfristig sahen sich dazu sogar 92 Prozent in der Lage.

Die Reha insgesamt bewerteten 76 Prozent der Frauen und 77 Prozent der Männer als Erfolg.

Bei der Vorstellung des Jahrbuches Sucht hatte DHS-Vorstand Dr. Raphael Gaßmann den deutschen Pro-Kopf-Alkoholkonsum - besonders verglichen mit anderen EU-Ländern - mit 9,6 Liter reinen Alkohols als "sehr hoch" bezeichnet.

Untersuchungen zu alkoholbezogenen Gesundheitsstörungen und Todesfällen gehen von etwa 74.000 Todesfällen aus, die durch das Trinken von Alkohol oder den kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak verursacht sind. (mam)

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