Samstag, 25. Mai 2013
Ärzte Zeitung online, 01.08.2012

Depression

Deutsche Schüler denken häufiger an Suizid

Internetsucht und Suizidgedanken. Traurig aber war: Deutschlands Schüler haben hier die Nase vorn. Vor allem Mädchen bereiten Psychiatern sorgen - dabei sind gerade sie für Prävention empfänglich.

Deutsche Schüler denken häufiger an Selbstmord

Traurig: Schüler in Deutschland denken vergleichweise häufig an Suizide.

© Mikael Damkier / fotolia.com

HEIDELBERG (bd). Deutsche Schüler sind im Vergleich zu Pennälern in anderen europäischen Ländern häufiger depressiv, weisen häufiger Suizidgedanken oder -versuche auf und zeigen vermehrt selbstverletzendes Verhalten.

Dies zeigen erste vergleichende Daten einer europaweiten Studie namens "Saving and Empowering Young Lives in Europe (SEYLE)", die in Deutschland in den Jahren 2010 und 2011 an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Heidelberg durchgeführt wurde.

Wie Studienleiter Professor Romuald Brunner, leitender Oberarzt der Klinik am Dienstag vor der Presse erklärte, gab von den deutschen Studienteilnehmerinnen ein Drittel aller Mädchen an, sich schon einmal absichtlich eine Schnittverletzung zugefügt zu haben. Fast jede fünfte Schülerin und acht Prozent der Schüler erklärten, dies häufiger zu tun.

Nach der Datenanalyse liegen Deutschland und Frankreich bei den Selbstverletzungen weit vorne, während dies in Italien, Ungarn, Rumänien oder Irland "nur" etwa 20 Prozent der Jugendlichen angaben.

Präventionsmaßnahmen sollen entwickelt werden

Auch bei der pathologischen Internet- und Mediennutzung liegen deutsche Schüler im oberen Bereich. 14 Prozent zeigten eine riskante Internetnutzung, bei fünf Prozent liegt laut Experten ein pathologischer Umgang mit dem Internet vor.

In Israel liegt die Quote der bedenklichen Nutzung des Internets mit über zehn Prozent doppelt so hoch wie in Deutschland. Eine niedrige Prävalenz zeigt sich hingegen in Ländern wie Italien und Ungarn.

Die Daten der Studie mit insgesamt 12.000 Schülerinnen und Schülern aus zehn EU-Staaten und Israel unter der Leitung des Karolinska-Instituts in Stockholm werden derzeit ausgewertet.

Die Studie hat zum Ziel, die Effizienz von präventiven Strategien bei depressiven Symptomen, selbstschädigendem Verhalten und Selbstmordgedanken im Jugendalter zu überprüfen.

Besonders bei Mädchen zeigten Präventionsmaßnahmen Wirkung, sagte der Heidelberger Psychiater. Langfristiges Ziel der europäischen Schüler-Studie ist es, geeignete Präventionsprogramme europaweit an Schulen einzuführen.

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