Ärzte Zeitung, 07.11.2012

Christoph Wilhelm Hufeland

Wegbereiter für die Prävention

Schon mit 18 Jahren begann Christoph Wilhelm Hufeland, Medizin zu studieren. Als Arzt prägte er das heutige Verständnis von Prävention, woran der Hufeland-Preis erinnert.

Von Pete Smith

Wegbereiter für die Prävention

Arme medizinisch zu versorgen, lag ihm sein Leben lang am Herzen: Christoph Wilhelm Hufeland auf einem Stich von 1859.

© Georgios Kollidas / fotolia.com

BERLIN. Hofmedikus in Weimar, königlicher Leibarzt in Berlin, Erster Arzt der Charité, erster Dekan der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität, Gründer des ersten Leichenschauhauses in Deutschland und Begründer der Lebenskraftlehre - zweifellos zählt der vor 250 Jahren geborene Christoph Wilhelm Hufeland zu den bedeutendsten Ärzten des 18. und 19. Jahrhunderts, dessen Lehren bis in unsere Zeit fortwirken.

Hufeland kam am 12. August 1762 in thüringischen Langensalza zur Welt. Wie sein Vater und Großvater wollte auch er Arzt werden. 1780 begann er, 18-jährig, ein Medizinstudium in Jena, wo er vor allem anatomische Studien betrieb.

Ein Jahr später wechselte er nach Göttingen. Dort fand er in dem berühmten Mathematiker und Physiker Georg Christoph Lichtenberg einen Lehrer und Vertrauten.

Goethe und Schiller waren seine Patienten

Nach seiner Promotion 1783 übernahm Hufeland zunächst die Landarztpraxis seines fast erblindeten Vaters in Weimar, wo er einige Jahre später herzoglicher Hofmedikus wurde und Berühmtheiten wie Goethe, Schiller, Herder und Wieland zu seinen Patienten gehörten.

1801 wurde Hufeland als königlicher Leibarzt an den Hof von Friedrich Wilhelm II. in Berlin berufen. Damit stand er auch dem Collegium medico-chirurgicum vor und war so genannter Erster Arzt an der Charité.

Nach der Gründung der Berliner Universität 1810 wurde Hufeland erster Dekan der Medizinischen Fakultät und Professor am Lehrstuhl für Spezielle Pathologie und Therapie. Daneben war er als Leiter der Militärakademie, Staatsrat der Abteilung Gesundheitswesen im preußischen Innenministerium und Mitglied der Armendirektion tätig.

Das Los der Armen lag Hufeland zeit seines Lebens am Herzen. 1810 richtete er die erste Poliklinik für unbemittelte Kranke in Berlin ein, eine Lehranstalt für den praktischen Unterricht.

"Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" erschient 1796

Der "Hufeland-Preis" für Präventivmedizin

Bis zum 28. März 2013 können sich Ärzte und Zahnärzte um den "Hufeland-Preis 2013" bewerben. Die Deutsche Ärzteversicherung stiftet den mit 20.000 Euro dotierten Preis für die beste Arbeit auf dem Gebiet der Präventivmedizin. Dazu gehören etwa die Themen Früherkennung, Vorbeugung und Gesundheitserziehung.

Dem Kuratorium der Stiftung "Hufeland-Preis", das die Preisrichter stellt, gehören Vertreter der Bundesärztekammer, Bundeszahnärztekammer, Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. in Bonn und der Deutschen Ärzteversicherung an.

Einzureichen sind die Arbeiten an: "Hufeland-Preis", Notarin Dr. Ingrid Doyé, Kattenbug 2, 50667 Köln.

Auskünfte erteilt Patrick Weidinger vom Kuratorium der Stiftung "Hufeland-Preis", Börsenplatz 1, 50667 Köln, Telefon: 0221/14830785, E-Mail: patrick.weidinger@aerzteversicherung.de

In seiner "Armen-Phamakopoe" forderte er wirksame Maßnahmen zur Unterstützung Bedürftiger, etwa zum Ausbau der Hygiene und Sozialversicherung. Als Privatarzt, der er neben seinen akademischen Verpflichtungen auchwar, behandelte er arme Menschen unentgeltlich.

Hufelands große Popularität rührt nicht zuletzt von seinen literarischen Werken her: Zu nennen ist vor allem seine 1796 erschienene Abhandlung "Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern", die in späteren Auflagen unter dem Titel "Makrobiotik" bekannt wurde.

Hufeland versucht darin, die persönliche Gesundheitsfürsorge, wie eine gesunde Ernährung und ein harmonischer Lebensstil, mit der staatlichen - Hygiene und Erziehung - zu vereinen.

Darin scheint auch sein Konzept der Lebenskraft auf, das er als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus begreift. Hier plädiert er etwa für die Nutzung der Heilkraft der Natur und physikalischer Therapien sowie die Einhaltung diätetischer Grundregeln.

Großer Einfluss auf Naturheilkunde

Hufeland starb am 25. August 1836 im Alter von 74 Jahren in Berlin, wo an seinem ehemaligen Wohnhaus Hegelplatz 1 eine Gedenktafel an ihn erinnert. Sein Wirken hatte großen Einfluss auf die Naturheilkunde im 19. Jahrhundert.

In der DDR wurde eine staatliche Auszeichnung im Gesundheits- und Sozialwesen nach ihm benannt: die Hufeland-Medaille.

Heute schmücken sich die Hufeland-Stiftung, die jährlich einen Preis für Arbeiten auf dem Gebiet der Präventivmedizin vergibt, sowie die Hufelandgesellschaft e.V., der Dachverband der Ärztegesellschaften für Naturheilkunde und Komplementärmedizin, mit dem Namen des vor 250 Jahren geborenen Arztes.

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