Ärzte Zeitung, 02.04.2013

Bonusprogramme

Geldbeutel wichtiger als die Gesundheit

Bonusprogramme sind bei Patienten nicht per se verteufelt. Was sie dazu bewegen kann mitzumachen, offenbaren jetzt die Ergebnisse einer Umfrage.

Von Matthias Wallenfels

Geldbeutel wichtiger als die Gesundheit

Mit der medizinische Versorgung in Arztpraxen sind die Patienten zufrieden

© Monkey Business/fotolia.com

DRESDEN. Wie und mit welchen Anreizen können gesetzliche Krankenversicherer und niedergelassene Ärzte ihre Versicherten respektive Patienten dazu bewegen, an Bonusprogrammen teilzunehmen?

Am besten über Beitragssenkungen, so lautet die Erkenntnis, die sich aus den Ergebnissen einer aktuellen, repräsentativen Umfrage zu Patientenwünschen der IKK classic ergibt.

Wie die Kasse auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" erläuterte, wurden 1500 Bundesbürger - privat- wie gesetzlich versicherte - ab 18 Jahren zu verschiedenen Themenkomplexen interviewt.

Beitragssenkung weckt Interesse

Wie die Studie nahelegt, geht es Versicherten bei der Teilnahme an Bonusprogrammen somit nicht primär um die eigene Gesundheit, sondern um den Geldbeutel.

So wären 60 Prozent der Befragten bereit, an einem Bonusprogramm ihrer Kasse teilzunehmen, wenn sie so ihren individuellen Krankenkassenbeitrag senken könnten.

61 Prozent der Bürger würden dafür sogar auch auf Arztbesuche bei leichten Erkrankungen verzichten.

Andere Vorschläge zur eigenen Kostenentlastung, etwa die Einschränkung der freien Arztwahl, höhere Eigenbeteiligungen oder die Reduzierung von Versicherungsleistungen lehnt eine große Mehrheit der Bevölkerung hingegen ab. Hier liegen die Zustimmungswerte laut Kasse nur zwischen 13 und 16 Prozent.

Unter der Prämisse der Beitragssenkung offen für Bonusprogramme zeigen sich insbesondere die mittlere Generation im Alter von 30 bis 44 Jahren (71 Prozent) und von 45 bis 59 Jahren (68 Prozent) sowie die Bezieher mittlerer bis höherer Einkommen.

Hohe Zufriedenheit mit Ärzten

Keine Mehrheit bei den Bürgern findet die von der SPD favorisierte Idee der Kopfpauschale. Ihr stimmen lediglich 22 Prozent der Befragten zu, 57 Prozent plädieren stattdessen für das bisherige System einkommensabhängiger Beiträge.

Was die medizinische Versorgung in Arztpraxen betrifft, so sind die Patienten mit ihrer aktuellen Situation zufrieden - trotz immer wieder aufkommender Diskussionen um lange Wartezeiten oder Versorgungslücken auf dem Lande.

So geben laut IKK classic acht von zehn Versicherten an, bei ihrem Arzt auch kurzfristig Termine zu erhalten. Die gute Erreichbarkeit ihres Arztes bestätigen 76 Prozent aller Patienten. Beim Praxisbesuch wünschen sich die Patienten in erster Linie eine gute Kommunikation.

Exemplarisch möchten 95 Prozent der Befragten, dass sich ihr Arzt Zeit nimmt, um ihnen alles verständlich zu erklären, fast ebenso viele, dass die Ärzte ihre Meinung im Behandlungsprozess berücksichtigen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »