Ärzte Zeitung, 29.05.2013

Alkoholmissbrauch

Weniger, aber dafür mehr

Die gute Nachricht zuerst: Jugendliche trinken weniger Alkohol. Und sie greifen seltener zur Kippe. Doch ein Problem bleibt: Komasaufen. Bei Jugendlichen scheint der C2-Abusus zum Volkssport zu werden.

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Absturz: Die Zahl der Klinikeinweisungen wegen eines C2-Intox hat zugenommen.

© blickwinkel / imago

BERLIN. Minderjährige und junge Erwachsene trinken etwas weniger Alkohol als früher. Zudem greifen sie seltener zur Zigarette. Das geht aus dem Drogen- und Suchtbericht 2013 hervor, den die Bundesregierung am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Demnach ist der regelmäßige Alkoholkonsum bei den 12- bis 17-Jährigen seit 2001 von 17,9 Prozent auf 14,2 Prozent (2011) zurückgegangen. Der Tabakkonsum hat sich in den vergangenen zehn Jahren bei den Jugendlichen mehr als halbiert (27,5 auf 11,7 Prozent).

Ebenfalls ist der Cannabiskonsum rückläufig - von 9,2 auf 4,6 Prozent. Bei den Risikogruppen sieht die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), jedoch dringenden Handlungsbedarf: "Dazu gehören zum Beispiel jugendliche Rauschtrinker, jugendliche männliche Automatenspieler sowie die Gruppe der 14- bis 24-jährigen Onlinespieler."

Dem Bericht zufolge ist zum Beispiel die Zahl der stationären Behandlungen von Kindern und Jugendlichen aufgrund einer Alkoholvergiftung im Jahr 2011 auf 26.349 angestiegen. Im Vergleich zu 2010 sei das eine Zunahme von 1,4 Prozent.

Besonders hoch sei zudem der riskante Alkoholkonsum bei den 18- bis 29-Jährigen, so Dyckmans. Bei den Frauen liege er bei 32,4 Prozent und bei den Männern bei 44,6 Prozent. Im Alter von 30 bis 44 Jahren sinke jedoch der Anteil auf 20,2 Prozent bei den Frauen und auf 29,7 Prozent bei den Männern.

Kritik von den Grünen

Als riskanter Konsum gelten für Männer mehr als ein bis zwei Gläser Wein oder Bier täglich. Für Frauen liegt die Grenze bei etwa einem Glas pro Tag. Pro Jahr sterben 74.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Trinkens.

Auch der Tabakkonsum von Erwachsenen ist hoch: Dem Bericht zufolge rauchen 30 Prozent von ihnen; 24 Prozent täglich. "Auch Erwachsene mit riskanten Konsummustern müssen viel früher mit präventiven Maßnahmen erreicht werden, damit sich aus riskantem Verhalten keine manifeste Abhängigkeit entwickelt", forderte Dyckmans.

Sie plädiert für mehr Frühintervention durch Ärzte und eine gezielte Suchtprävention am Arbeitsplatz.

Kritik an der Suchtpolitik der schwarz-gelben Koalition kam von den Grünen: "Deutschland ist heute so weit von einer modernen Drogenpolitik entfernt wie lange nicht mehr", sagte der Grünen-Politiker Harald Terpe.

Die von der Bundesregierung im vergangenen Jahr beschlossene Nationale Strategie zur Drogenpolitik sei im Wesentlichen eine Ansammlung bereits vorhandener Maßnahmen gewesen. Eine Evaluation der Instrumente sei nicht vorgenommen worden.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist immer dann zur Stelle, wenn die Absatzinteressen der Industrie geschützt werden sollen. Aus diesem Grunde lehnt sie auch nach wie vor die vollständige Abschaffung der Tabakwerbung ab, obwohl dieses Instrument nachweislich bei der Reduzierung des Tabakkonsums behilflich ist. (sun)

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