Ärzte Zeitung, 04.10.2013

Kinderschutz

Berlin baut aufs Internet

Der Berliner Senat baut seine Initiativen für den Kinderschutz aus. Von 2014 an soll es etwa ein Beratungsangebot für Ärzte und Lehrer sowie Online-Foren geben.

BERLIN. Unter dem Stichwort "Kinderschutz online" will der Berliner Senat im kommenden Jahr mit einem Modellprojekt die elektronische Kommunikation als Ergänzung der bisherigen Zugangswege zum Hilfenetzwerk einführen. Geplant sind geschlossene Online-Beratungsforen und -chats aber auch SMS-Kommunikation.

Die Datensicherheit sieht die Berliner Landesregierung dabei gewährleistet. Social-Media-Angebote wie Facebook sollen dagegen nur für die Öffentlichkeitsarbeit eingebunden werden.

Seit 2007 setzt Berlin beim Kinderschutz auf Vernetzung. Das Gesamtkonzept ist kleinteilig. Dazu gehören unter anderem verschiedene Beratungsangebote, ein ressortübergreifender Kinderschutzbeauftragter und das verbindliche Einladungswesen zu den Vorsorgeuntersuchungen.

Geplant ist nun ein neues Beratungsangebot für Ärzte, Lehrer und andere Berufsgruppen, die Kontakt mit Kindern und Jugendlichen haben. Bei der Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung können sie künftig eine erfahrene Kinderschutzfachkraft zur Beratung hinzuziehen. Das Angebot wird bei der Hotline Kinderschutz angesiedelt.

Eingerichtet werden soll zudem eine unabhängige Ombudsstelle in der Berliner Jugendhilfe. Der Berliner Senat reagiert damit unter anderem auf die Debatten um Missbrauch und Misshandlung in Heimen. Die Ombudsstelle soll Aufklärung in solchen Verfahren gewährleisten und gegebenenfalls in andere Rechtsbereiche überleiten.

Vorgesehen ist auch, dass die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Sozialhilfe intensiviert wird. Eine entsprechende Verwaltungsvorschrift soll bis Jahresende veröffentlicht sein.

Die im vergangenen Jahr eingeführten fremdsprachlichen Beratungsangebote der Hotline Kinderschutz werden fortgesetzt. Die Finanzierung erfolgt künftig aus dem Landeshaushalt und nicht mehr aus Lottomitteln.

Die Verbesserung des Kinderschutzes lässt sich die Berliner Landesregierung etwas kosten. Insgesamt steigen die Mittel der Senatsjugendverwaltung für den unmittelbaren Kinderschutz im Doppelhaushalt 2014/2015 um 940.000 Euro.

Davon fließen 170.000 Euro für neue Aufgaben an bestehende Beratungseinrichtungen. Aktuell gibt die Senatsjugendverwaltung für den Kinderschutz rund 5,2 Millionen Euro aus.

Hinzu kommen die Mittel der Senatsgesundheitsverwaltung für das verbindliche Einladewesen und die Ausgaben der Berliner Bezirke. Aus der Bundesinitiative "Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen 2012 - 2015" erhält die Bundeshauptstadt im laufenden Jahr insgesamt 2,5 Millionen Euro.

Damit soll die Netzwerkkoordination auf Landes- und Bezirksebene, die Ausbildung und der Einsatz der Familienhebammen gefördert werden. Alle Bezirke in Berlin haben ihre Fördermittel in vollem Umfang abgerufen. (ami)

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