Ärzte Zeitung, 22.01.2014

Suchthilfe in Hamburg

Mehr Zusammenarbeit ist gefragt

Der Suchthilfebericht 2013 bescheinigt Hamburg ein gut arbeitendes Hilfesystem. Süchtige könnten von mehr Kooperationen unter den Anstalten profitieren.

HAMBURG. Der aktuelle Suchthilfebericht zeigt, dass sich die 27 Einrichtungen in Hamburg auf neue Herausforderungen einstellen müssen. Gefragt sind Strategien für neue Zielgruppen und gegen neue Konsumgewohnheiten.

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks fordert außerdem, dass die Suchthilfeeinrichtungen stärker als bislang mit anderen sozialen Hilfen zusammenarbeiten: "Sie müssen noch stärker untereinander und mit anderen Hilfesystemen kooperieren, damit die Angebote einzelfallorientiert und passgenau zur Verfügung stehen", sagte Prüfer-Storcks.

Die SPD-Politikerin strebt an, dass die Hamburger Suchthilfeeinrichtungen für eine Region zuständig sind, in dieser Region mit anderen sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten und niedrigschwellige Angebote schaffen. Daneben soll es einige spezialisierte stadtweite Angebote geben, etwa für Kinder und Jugendliche und ihre Angehörigen.

Grund für die angestrebten Änderungen ist die Beobachtung, dass die Zielgruppen immer differenzierter werden. Sie kommen aus verschiedenen kulturellen und sozialen Milieus, unterscheiden sich hinsichtlich Lebenssituation, Bildung, Alter und Geschlecht, ihrer pathologischen Verhaltensweisen und bezüglich ihrer konsumierten Suchtmittel.

Unter dem Strich sieht Prüfer-Storcks die Einrichtungen "quantitativ und qualitativ so aufgestellt, dass sie den Betroffenen effektiv helfen können".

Die ambulante Suchthilfe - von der Stadt jährlich mit rund 18 Millionen Euro ausgestattet - half im vergangenen Jahr mehr als 16.500 Betroffenen. Über die Hälfte von ihnen wurde längerfristig beraten, viele wurden in die medizinische Reha vermittelt.

Laut Suchtbericht sind rund 45.000 Menschen in Hamburg alkoholabhängig, 34.000 konsumieren Cannabis, 10.000 zeigen ein problematisches Glücksspielverhalten. Medikamentenmissbrauch ist in erster Linie ein Problem älterer Menschen.

"In Hamburg werden etwa 15.000 Menschen Benzodiazepine in einer Weise verordnet, die eine Gefahr von Nebenwirkungen und Abhängigkeit mit sich bringt", teilte die Gesundheitsbehörde anlässlich der Vorlage des Suchtberichts mit. (di)

Suchthilfebericht zum Download: http://tinyurl.com/nwre8gk

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