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Ärzte Zeitung, 16.03.2015

AOK Rheinland/Hamburg

Mehr Sport für Kinder: Politiker in der Pflicht

Viele Kinder sitzen viel zu lange vor dem Fernseher. Die AOK Rheinland/Hamburg sieht dringend Handlungsbedarf - vor allem der Politik.

DÜSSELDORF. Der Kampf gegen den Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen muss gesundheitspolitisch einen höheren Stellenwert bekommen. Das fordert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg Rolf Buchwitz.

"Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen sich dieses Themas annehmen", sagte Buchwitz vor Journalisten in Düsseldorf. Es gehe darum, Kinder und Jugendliche so früh wie möglich zu erreichen und zu körperlicher Aktivität zu motivieren.

"Wir brauchen attraktive Bewegungsangebote in Schulen und Sportvereinen, damit wir die Kinder nicht ganz an Doku-Soaps und Online-Spiele verlieren", betonte er.

Events bleiben ohne Wirkung

Die AOK Rheinland/Hamburg sei in diesem Feld bereits seit einigen Jahren aktiv und erreiche inzwischen mit Präventionsangeboten rund 500 000 Kinder und Jugendliche im Jahr. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Event-Prävention nicht wirksam ist."

Die Maßnahmen müssten langfristig angelegt sein, sagte Buchwitz.

"Wir entziehen den Kindern den Bewegungsvirus", beklagte Professor Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass viele junge Menschen zu viel sitzen und zu wenig körperlich aktiv sind. Hier müssten Kindergärten und Schulen ansetzen und die Bewegung als Ressource nutzen.

 "Vokabel-Lernen mit körperlicher Aktivität ist deutlich effizienter als ohne", sagte Froböse. Aber auch die Eltern seien gefragt. "Motorische Reize, die in den ersten zwölf Jahren nicht gesetzt werden, wird man nicht wieder aufholen können."

Der Bewegungsmangel führe mit dazu, dass Kinder heute unter gesundheitlichen Problemen litten, die früher in diesem Alter unbekannt waren. Dazu gehörten Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Schlaganfall, berichtete Froböse.

Ein besonderes Problem sei das Übergewicht. In Kliniken seien auf den Kinderstationen inzwischen die Liegen und Betten nicht mehr geeignet, manche Kinder zu tragen.

Sieben Euro für Prävention

Mit der Stärkung des Setting-Ansatzes und der Prävention in den Lebenswelten gehe das Präventionsgesetz in die richtige Richtung, findet AOK-Vize Buchwitz.

Er begrüßte, dass die Krankenkassen künftig sieben Euro je Versichertem für Prävention ausgeben sollten. 2015 liege die AOK Rheinland/Hamburg bereits bei sechs Euro, im Durchschnitt aller Kassen seien es nur 3,17 Euro.

Kritisch sieht Buchwitz die Absicht, dass von den sieben Euro 50 Cent an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fließen sollen.

"Wir sind als Krankenkassen gemeinsam mit den anderen Akteuren in der Lage, die Mittel richtig einzusetzen", sagte er. (iss)

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