Ärzte Zeitung, 24.03.2015

Kommentar zu Klinikkeimen

Viel zu viele Tote

Von Christiane Badenberg

Jedes Jahr sterben in Deutschland geschätzt 15 000 Menschen an den Folgen einer nosokomialen Infektion. Das ist inakzeptabel. Zumal es Möglichkeiten gibt, diese Zahl deutlich zu reduzieren.

Einige benennt der jetzt bekanntgewordene Zehn-Punkte-Plan aus dem Bundesgesundheitsministerium. Allerdings bleibt er an wichtigen Stellen auch windelweich.

So soll "eine Pflicht zur Durchführung ambulanter Screenings vor planbaren Klinikaufenthalten weiter untersucht und geprüft werden". Das klingt nicht nach entschlossenem Durchgreifen.

Mit den Ländern müsse verabredet werden, wie ausgebildetes Hygienepersonal an den Kliniken gehalten und die Zahl der Fachkräfte erhöht werden kann. Doch der Markt ist leergefegt, Kliniken werben sich die Fachleute untereinander ab.

Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft fehlen in Deutschland zur Zeit etwa 800 Krankenhaushygieniker sowie 2000 Hygienefachkräfte. Da hilft es auf Dauer nur, die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen.

In der Krankenhauspolitik behindern sich Bund und Länder oft gegenseitig und alle liegen wegen des lieben Geldes mit den Kassen im Clinch. Der Zehn-Punkte-Plan bietet gute Ansätzeund setzt das Thema national und international auf die Tagesordnung.

Gefragt sind aber langfristige Investitionen in die Ausbildung von Fachkräften und in die Modernisierung vieler Kliniken. In alten Häusern fehlt oft der Platz, infizierte Patienten zu isolieren. So breiten sich Keime schneller aus.

Das kostet viel Geld. Wo das herkommen soll, dazu findet sich in dem Plan leider kein einziger Satz.

Lesen Sie dazu auch:
Klinik-Hygiene: Gröhes Plan gegen Killer-Keime

[24.03.2015, 11:53:45]
Michael Peuser 
Krankenhausinfektionen
Inzwischen hat man doch erkannt, das Türgriffe aus Kupfer oder verkupferte Türklinken tödlich sind für Pilze von denen sich die Bakterien ernähren. Ohne Pilze überleben die Bakterien nicht. Wenn das die Hauptquelle für Krankenhausinfektionen darstellt, dann sollten doch in allen Krankhäuser diese änderungen vorgenommen werden. Die Kosten dazu stehen in keinem Verhältnis zu den Tausenden Toten. Was hat man alles im Strassenverkehr investiert um alles sicherer zu machen und konnte damit die Todesrate von 20.000 p.a. in der alten Bundesrepublik auf 6.000 p.a. senken im vereinten Deutschland.
Michael Peuser
Staatspreisträger in Brasilien zum Beitrag »

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