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Ärzte Zeitung, 10.09.2015

Suizidprävention

Wissen muss gefördert werden!

NEU-ISENBURG. Mehr als 800.000 Menschen töten sich nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit jährlich selbst, in Deutschland sind es nach Angaben des Nationalen Präventionsprogramms rund 10.000. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September will auf das sensible Thema hinweisen.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) fordert - ebenso wie das Nationale Suizidpräventionsprogramm (Naspro) -, die Suizidprävention "zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe" zu machen.

"Bis zu 90 Prozent aller Suizide stehen im Zusammenhang mit Depressionen oder anderen psychischen Störungen", so DGPPN-Präsidentin Dr. Iris Hauth.

"Wenn es gelingt, das Wissen über Suizid und psychische Erkrankungen in der Bevölkerung zu fördern, können Warnsignale besser erkannt und therapeutische Hilfen früher eingeleitet werden."

In Chats wird über Suizid gesprochen

Die Notwendigkeit belegen auch aktuelle Zahlen der Diakonie: "In sieben Prozent der Seelsorge- und Beratungsgespräche äußern die Anrufenden suizidale Gedanken, das sind rund 125.000 Anrufende in einem Jahr", teilte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland, mit.

Erschreckend sei, dass im Chat-Angebot Suizid noch häufiger Gesprächsgegenstand ist als am Telefon.

"Junge Menschen nehmen klassische Beratungsangebote kaum an und suchen meist online nach Unterstützung", teilt die Caritas diese Beobachtung. Auf dem Online-Portal www.u25-deutschland.de können Betroffene daher mit einer verschlüsselten Mail anonym um Hilfe bitten.

Das Besondere an dem Angebot der Caritas ist, dass die Ratsuchenden von ausgebildeten Jugendlichen unterstützt werden. Bundesweit engagieren sich laut Caritas rund 130 Jugendliche in der Beratung.

Das Naspro warnte anlässlich des Welttages auch davor, dass die parlamentarische Initiative für eine verstärkte Suizidprävention nicht im Streit der Parteien untergehen dürfe. Die Grünen-Fraktion hatte im Frühsommer eine Gesetzesinitiative für mehr Suizidprävention gestartet. (jk/ami)

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