Ärzte Zeitung online, 06.02.2017

Safer Internet Day

Wenn das Internet für Kids zur Sucht wird

Mittlerweile sind etwa 270.000 Jugendliche von Internetanwendungen abhängig, Mehr Aufklärung zur Nutzung tut Not, betont daher die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Safer Internet Day.

Wenn das Internet für Kids zur Sucht wird

Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 25 Jahren sind durchschnittlich 22 Stunden pro Woche online.

© goldencow_images / Fotolia

KÖLN. Aktuelle Ergebnisse der BZgA-Studie "Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2015" haben ergeben, dass Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 25 Jahren durchschnittlich 22 Stunden pro Woche online sind: zum Kommunizieren, Spielen oder zur Unterhaltung. Dies geschiehet nicht im Zusammenhang mit Schule, Studium oder der Arbeit. Das Smartphone spielt mit 77,1 Prozent als Zugangsweg ins Internet die größte Rolle.

Die neuen Studiendaten belegen auch eine größere Zahl von computerspiel- oder internetbezogenen Störungen bei Jugendlichen als noch 2011. Demnach sind aktuell 7,1 Prozent der 12- bis 17-jährigen Mädchen und 4,5 Prozent der gleichaltrigen Jungen betroffen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler erklärt: "Wir haben heute von fast überall Zugriff auf das Internet. Das eröffnet unzählige spannende Möglichkeiten, schafft aber auch neue Herausforderungen. Gerade Jugendliche müssen lernen, das Netz selbstbestimmt und im richtigen Maß zu nutzen. Sonst besteht die Gefahr, dass für das reale Leben neben dem virtuellen kein Platz mehr bleibt."

Mittlerweile seien etwa 270.000 Jugendliche von Internetanwendungen abhängig, etwa doppelt so viele wie 2011, so Mortler weiter. Eine derr zentralen Aufgaben bestehe deshalb darin, Medienkompetenz vorzuleben und aktiv zu vermitteln.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, betont: "Online sein ist für Jugendliche wesentlicher Bestandteil ihrer Freizeitgestaltung. Dabei gibt es bei der Nutzung von Computerspielen und Internet besonders bei der jüngeren Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren deutliche Geschlechtsunterschiede."

So nutzen 84,3 Prozent der Mädchen täglich Soziale Netzwerke, gleichaltrige Jungen zu 77,2 Prozent. Dagegen spielten 36,2 Prozent der männlichen Jugendlichen täglich Computerspiele, bei den gleichaltrigen Mädchen seien dies nur 11,3 Prozent.

"Diese Zahlen bestätigen, wie wichtig es ist, Jugendlichen die Risiken der exzessiven Nutzung von Internet, Smartphones und Computerspielen aufzuzeigen. Darüber hinaus gilt es, Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen für ihre Vorbildrolle für Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren," so Thaiss.

Eltern empfiehlt die BZgA folgende Punkte zu beachten:

1.WANN? Mit dem Kind Zeitvereinbarungen treffen. Zeitkonten, wie zum Beispiel acht Stunden Spielzeit pro Woche, können gemeinsam geplant werden.

2.WAS? Gemeinsam festlegen, welche Angebote Kinder nutzen können. Dabei ist der Jugendschutz zu beachten. Einige Soziale Netzwerke sind beispielsweise zwar ab 13 Jahren erlaubt, werden aber von Pädagogen erst wesentlich später zur Nutzung empfohlen.

3.WO? Der Standort des PCs oder die Nutzungsorte des Smartphones haben großen Einfluss darauf, wann und wie Kinder und Jugendliche sie nutzen.

4.WAS SONST? Je abwechslungsreicher die Familienzeit gestaltet ist, umso zugänglicher sind Kinder und Jugendliche für andere Erlebnisse als online zu sein. (run)

[06.02.2017, 20:46:58]
Klaus Günterberg 
Um Kinder und Jugendliche zu beeinflussen braucht es auch Emotionen
Internetsucht ist keine neue Krankheit. Die Gefahren kommen vor allem von der Bewegungsarmut, der Belastung der Augen und auch der Ohren (man denke an die Ohrhörer). Da ist das Ergebnis der Studie nicht überraschend. Und da sind die Empfehlungen der BZgA ganz richtig.

Kinder und Jugendliche erreicht man, wenn überhaupt, aber vor allem mit Emotionen. Da empfehle ich allen Eltern und Erziehern, auch den gegen die Internetsucht Engagierten, den neuen, modernen Struwwelpeter: "Der Cyber-Peter" (ISBN 9783944224-756), erschienen bereits 2013, in zweiter Auflage 2015. Dort sind die Sucht nach Handy, Computerspielen, die Folgen des Starrens auf den Bildschirm, von Bewegungsarmut und manche anderen Probleme unserer Zeit in lyrischer Form geschildert. Ein Buch zum Lesen und Vorlesen, gemacht für Kinder und Jugendliche und gegen ebendiese Internetabhängigkeit:
http://www.verlag-kern.de/unsere-bucher/der-cyber-peter/

„… Wirr das Haar und starr der Blick,
Peter hat den Cyber-Tick. …“

Die Sachlage ist nicht überraschend, ist ganz eindeutig, man muss etwas tun.

Dr. Günterberg
Gynäkologe. Berlin
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »