Ärzte Zeitung, 02.07.2008

Akademie für Palliativmedizin in Mannheim gegründet

Ziel ist eine stärkere Professionalisierung in der Sterbebegleitung / Ärzte können die Zusatzbezeichnung Palliativmedizin erwerben

MANNHEIM (bd). Die Mannheimer Ärztin Dr. Adelheid Weiss will ihre jahrzehntelange Erfahrung als Onkologin und Palliativmedizinerin an Kollegen, Pflegende, Sozialarbeiter, Seelsorger und Hospizmitarbeiter als Leiterin der Akademie für Palliativmedizin in Mannheim weitergeben.

Die Fort- und Weiterbildungseinrichtung unter dem Dach des Mannheimer Universitätsklinikums wurde kürzlich zusammen mit der örtlichen Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Diakonischen Werk und der Mannheimer Bürgerstiftung gegründet. "Viele Kollegen sind nicht darauf vorbereitet, Sterbende in den Tod zu begleiten. Sie sehen den Tod eines Patienten oft noch als persönlichen Misserfolg an", sagte die Onkologin.

Weiss hat vor über zehn Jahren am Universitätsklinikum in Mannheim eine der ersten universitären Palliativstationen in Deutschland aufgebaut hat. Ziel der Akademie ist es nach Worten von Alfred Dänzer, Geschäftsführers des Uniklinikums, alle in der Palliativmedizin Tätigen "zu professionalisieren". Die Fort- und Weiterbildungsstätte steht nicht nur Ärzten und Pflegenden, sondern allen Berufsgruppen offen, die mit der Begleitung Sterbender befasst sind.

Fortbildungsinhalte sind zum Beispiel Schmerztherapie und die Behandlung anderer belastender Symptome (Symptomkontrolle), psychosoziale und spirituelle Aspekte, ethische und rechtliche Fragestellungen, Kommunikationstechniken, Teamarbeit und Selbstreflexion der Behandelnden. Ärzte können an der Akademie die Zusatzbezeichnung "Palliativmedizin" erwerben.

Erforderlich sind laut Weiss 120 Weiterbildungs-Stunden, die in einem dreimaligen Wochenkurs angeboten werden. Für niedergelassene Ärzte, die den Zusatztitel erwerben wollen, werden ab November auch Wochenendkurse angeboten. Die Akademie will durch die Einrichtung des "Runden Tisch Hospiz" außerdem die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Arztpraxen und Hospizen fördern.

Ferner sollen eine Trauergruppe und ein Trauercafé aufgebaut werden, die Ausbildung angehender Ärzte in der Palliativmedizin am Universitätsklinikum Mannheim forciert und palliativmedizinische Forschungsaufgaben wahrgenommen werden.

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