Ärzte Zeitung, 12.01.2009

2700 Patientenverfügungen in Klinikum hinterlegt

Ärzte haben Zugriff auf digitalisierte Dokumente

HEIDE (di). Krankenhäuser sind als Archivar für Patientenverfügungen gefragt. Am Westküstenklinikum Heide haben bereits 2700 Menschen aus der Region eine schriftliche Willenserklärung hinterlegt.

Damit liegt das Krankenhaus aus Dithmarschen bundesweit an der Spitze bei der Archivierung von Patientenverfügungen. Die Patienten können dort schon seit 2003 Kopien ihrer schriftlichen Verfügungen hinterlegen. Die Willenserklärungen müssen entweder vom Patienten direkt oder von einem Rechtsanwalt abgefasst sein. Ein Hinweis in der Patientenakte zeigt Ärzten und Pflegepersonal in Heide an, dass eine solche Verfügung vorliegt.

Innerhalb weniger Stunden wird der schriftlich dokumentierte Wille des Patienten den Ärzten ausgehändigt. Diese Zeitspanne wird demnächst verringert: Derzeit werden die archivierten Dokumente digitalisiert, um einen schnelleren Zugriff zu ermöglichen. Diese Datenbank wird nur für Ärzte zugänglich sein. Wie die Patienten die Verfügung abfassen müssen, können sie in Leitlinien nachlesen, die der Seniorenrat der Stadt Heide mit einem Ethikkomitee der Klinik erarbeitet hat.

Für die Ärzte des Krankenhauses erweist sich das Archiv als Erleichterung. Zum Beispiel bei der Frage, ob ein Patient künstlich ernährt werden soll: Während das Legen einer Ernährungssonde bei jungen Unfallopfern meist unstrittig ist, kann diese Frage bei Patienten mit schwersten Einschränkungen Diskussionen auslösen. "Oft lässt sich der Wunsch des Patienten in einer solchen Situation nicht mehr nachvollziehen", lautet die Erfahrung des Heider Chefarztes Dr. Tilman von Spiegel. Eine Patientenverfügung könne in solchen Fällen für Klarheit sorgen.

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