Freitag, 10. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 26.11.2009

Hospize umgehen neue Rechtslage bei Finanzierung

Laut Deutscher Hospiz Stiftung verlangen einige Hospize trotz Verbots weiter Eigenbeteiligungen von ihren Patienten.

Von Bülent Erdogan

BERLIN/DORTMUND. Seit August müssen Sterbenskranke für einen Aufenthalt in einem Hospiz keinen Eigenanteil mehr leisten. Dennoch verlangen nach Angaben der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung (DHS) mehrere Einrichtungen von ihren Patienten oder deren Angehörigen weiter Eigenbeteiligungen. Die Stiftung sei wiederholt von Patienten, Angehörigen und Sozialhilfeträgern angesprochen worden, so DHS-Geschäftsführer Eugen Brysch. Wie viele Hospize weiter Geld verlangen, ist unklar. Allerdings, so die DHS, behaupten 53 der 163 Hospize auf ihren Internetseiten weiter, dass Patienten einen Eigenanteil leisten müssen.

Jährlich werden laut DHS rund 19 000 Menschen in Hospizen bis zum Tod begleitet. Von den Kassen erhalten die Einrichtungen seit einer Gesetzesänderung im Sommer hierfür 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten erstattet (wir berichteten). Die Eigenbeteiligung von bis zu 50 Euro pro Tag wurde im Gegenzug abgeschafft.

Dennoch drängte ein Hospiz in Süddeutschland die Angehörigen eines Patienten bereits bei der Aufnahme zur "freiwilligen" Zahlung von mehreren Hundert Euro, wie aus der "Ärzte Zeitung" vorliegenden Dokumenten hervorgeht. Das Spendenschreiben vom 3. September ist dabei wie eine Rechnung aufgemacht.

Schon die Bitte um Geld bei der Aufnahme, so Brysch, baue einen "unzulässigen Druck" auf Patienten oder Angehörige auf. "Eine Verweigerung der Spende dürfte auf Furcht vor einer etwaigen Schlechterstellung kaum vorkommen", meint er und fordert die Hospize auf, sich an das neue Recht zu halten.

Patienten und Angehörige, die einen Eigenanteil leisten sollen, können sich unter der Telefonnummer 0231/7380 730 an die DHS wenden.

Lesen Sie dazu auch:
Hospize bitten Patienten zur Kasse

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