Ärzte Zeitung, 18.07.2010

Ärzte bereit zur Hilfe beim Suizid

Repräsentative Befragung zur Sterbehilfe im Auftrag der Bundesärztekammer

BERLIN (fst). Ärzte in Deutschland sind viel stärker als angenommen bereit, einem Patienten beim Sterben zu helfen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter 527 Ärzten in Klinik und Praxis im Auftrag der Bundesärztekammer hervor.

Ärzte bereit zur Hilfe beim Suizid

Die Zustimmung unter Ärzten zur Sterbehilfe ist offenbar größer als bisher angenommen.

© imagebroker / imago

37 Prozent der Ärzte können sich vorstellen, einem Patienten tödliche Medikamente zur Verfügung zu stellen, um zu seinen Suizid zu unterstützen. 61 Prozent der Befragten lehnen das ab. Damit steht die offizielle, sehr restriktive Haltung der BÄK zur Sterbehilfe in einem Gegensatz zur Ansicht einer - großen - Minderheit unter Ärzten.

Jeder vierte Arzt hält es sogar für möglich, aktive Sterbehilfe zu leisten, indem er etwa einem Patienten ein tödliches Medikament verabreicht. In den "Grundsätzen der BÄK zur ärztlichen Sterbehilfe" dagegen wird ein solches aktives Tun kategorisch als "unärztlich" verurteilt.

Dass die Umfrageergebnisse seit dem Herbst vergangenen Jahres vorliegen, aber nicht veröffentlicht wurden, verdeutlicht ihr innerärztliches Streitpotenzial. Denn bislang steht die offizielle Standesethik in starkem Gegensatz zur Ansicht der Bürger: 58 Prozent der in einer Allensbach-Umfrage interviewten Menschen befürworten aktive Sterbehilfe, 19 Prozent sind dagegen, 23 Prozent unentschieden. Für BÄK-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe ist der überraschend hohe Zustimmungsgrad zur Sterbehilfe unter Ärzten Zeichen ihrer "Verunsicherung".

Lesen Sie dazu auch:
Jeder zweite Hausarzt wurde schon um Suizidhilfe gebeten

Lesen Sie dazu auch:
Bundesgerichtshof stärkt Patientenwillen am Ende des Lebens

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »