Ärzte Zeitung, 05.05.2015

Studie

Versorgung in Hospizen ist gut

Wissenschaftler haben im Rahmen der "Gießener Sterbestudie" die Versorgungsqualität in allen deutschen Hospizen unter die Lupe genommen.

GIESSEN. Die "Gießener Sterbestudie" ist ausgeweitet worden. Nun liegen auch erstmals Ergebnisse zur Versorgung in bundesdeutschen Hospizen vor. Die Daten wurden zwischen Herbst 2014 und Frühjahr 2015 erhoben.

Nach der Ermittlung der psycho-sozialen und medizinisch-pflegerischen Bedingungen der Sterbebetreuung in deutschen Krankenhäusern (237 Einrichtungen) und stationären Pflegeeinrichtungen (599 Einrichtungen) in den vergangenen Jahren sind nun erstmals 162 Hospizeinrichtungen in ganz Deutschland befragt worden.

Von ihnen nahmen 54 an der vom TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung und Beratung geleiteten Studie teil.

Die TransMIT besteht aus drei Hochschulen (Justus-Liebig-Universität Gießen, Technische Hochschule Mittelhessen und Philipps-Universität Marburg) und bietet in 160 TransMIT-Zentren Technologien und Dienstleistungen unter anderem aus den Bereichen Biotechnologie, Chemie, Pharmazie und Medizin an.

Die Ergebnisse sprechen - gerade im Vergleich zu denen aus Befragungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen - für die hohe Versorgungsqualität in den Hospizen.

Auch ernüchternde Befunde

Rund 88 Prozent der Befragten gaben an, sich immer beziehungsweise oft Zeit für die Betreuung Sterbender nehmen zu können. Fast ebenso groß ist der Anteil derer, die angeben, dass stets hinreichend qualifizierte Pflegekräfte zur Verfügung stehen (85 Prozent).

Sowohl innerhalb der eigenen Berufsgruppe (90 Prozent) als auch zwischen den Pflegenden und Ärzten (90 Prozent) besteht demnach ein gutes oder sehr gutes Miteinander.

82 Prozent geben an, dass sich nach dem Tod eines Patienten grundsätzlich im Team darüber ausgetauscht würde. Doch es gibt auch ernüchternde Befunde.

Die berufliche Vorbereitung auf die Hospizarbeit bewerten lediglich 12 Prozent als gut oder sehr gut. Dagegen sieht die Hälfte der Befragten die Ausbildung als mangelhaft an. Und 23 Prozent aller Einrichtungen erklären, dass oft bzw. gelegentlich zu häufig lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen würden.

Von den in Deutschland 2013 insgesamt 893.825 Gestorbenen wurden 48 Prozent in Krankenhäusern betreut.

Etwa 39 Prozent der Patienten verbrachten ihre letzten Lebenstage in stationären Pflegeeinrichtungen und 25.000 (weniger als drei Prozent) in stationären Hospizen. (ras)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »