Ärzte Zeitung, 06.09.2012

Deutsche

Häufiger dick - und sportlicher

Den meisten Deutschen geht es gesundheitlich gut - obwohl Übergewicht und chronische Erkrankungen in der Gesellschaft zunehmen. Die Befragung zeigt auch: Im Süden sind die Bewohner seltener lange krank.

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BERLIN/WIESBADEN (fst). Drei von vier Männern über 18 Jahre in Deutschland bewerten ihre Gesundheit als gut oder sehr gut. 69 Prozent der Frauen kommen zu dem gleichen Urteil.

Dies ist ein Kernergebnis der GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell), für die etwa 22.000 Bürger zwischen September 2009 und Juli 2010 befragt wurden.

Die GEDA-Studie ist eine Komponente des Gesundheitsmonitorings des Robert Koch-Instituts. Sie soll dazu beitragen, Politikern zeitnah Informationen zum Gesundheitszustand der Bevölkerung zu geben.

Da nunmehr Ergebnisse aus drei Untersuchungswellen - 2003, 2009 und 2010 - vorliegen, kann die Entwicklung des Krankheitsgeschehens nachgezeichnet werden. Dabei werden erfreuliche, aber auch bedenkliche Trends offenbar.

Um Regionen mit ausreichend großen Fallzahlen zu vergleichen, wurden kleinere Bundesländer zu sogenannten Nielsen-Gebieten zusammengefasst - eine in der Marktforschung übliche Aufteilung.

Damit sind auch regionale Vergleiche möglich. So zeigen sich etwa bei Menschen, die länger als 50 Tage in den letzten zwölf Monaten krank waren, deutliche Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland.

Erfreuliche Trends

Zu den erfreulichen Trends gehört, dass die über 65-Jährigen ihre Gesundheit immer besser einschätzen. Der Anteil von Frauen, die ihre Gesundheit als gut oder sehr gut bewerten, nahm von 42 (2003) und 46 (2009) auf 49 Prozent (2010) zu. Bei Männern fällt der Anstieg geringer aus (2003/2009: 52; 2010: 56 Prozent).

Die Zunahme chronischer Erkrankungen zeigt sich am Beispiel Diabetes: Der Anteil der Frauen, bei denen ein Arzt nach eigenen Angaben Diabetes diagnostiziert hat, stieg von sieben (2003) auf neun Prozent (2009 und 2010). Bei Männern gaben 8,5 Prozent der Befragten an, Diabetiker zu sein. Das sind 3,5 Prozentpunkte mehr als 2003.

Der Anteil der Befragten mit Adipositas (BMI von mindestens 30) ist bei beiden Geschlechtern stark gestiegen: Er wuchs bei Frauen von 12,5 auf knapp 16 Prozent, bei Männern von 12,8 auf über 16 Prozent. Besonders signifikant ist die Zunahme mit fast fünf Prozentpunkten bei Frauen zwischen 30 und 44 Jahre.

Das Gesundheitsverhalten der Befragten hat sich positiv entwickelt. Als "besonders erfreulich" bezeichnet das RKI die Entwicklung beim Rauchen: 2003 rauchten noch knapp 29 Prozent der Frauen, Ende der Dekade noch 26 Prozent. Bei Männern sank die Rauchquote von 38,3 (2003) auf 33,9 Prozent (2009/10).

Statt zu rauchen haben sich die Bürger offenbar mehr bewegt. Um rund fünf Prozentpunkte auf 64 Prozent ist der Anteil der Frauen gestiegen, die Sport treiben. Bei den Männern bewegten sich zuletzt 64 Prozent regelmäßig, (2003: knapp 61 Prozent).

[07.09.2012, 15:21:10]
Dr. Horst Grünwoldt 
häufiger dick - und sportlicher?
Die (pseudo-?)wissenschaftliche GEDA-Studie überrascht in ihrer widersprüchlichen Aussage. Für einen älteren, immer noch bewegungs- und genußfreudigen Flaneur durch unsere Städte stellt sich empirisch (durch subjektive Beobachtung) folgendes Bild dar:
Zu viele, stark Übergewichtige zeigen sich bei Tageslicht als das erschreckende Ergebnis unserer importierten "Fast-food" und Autofahrer-Gesellschaft. Dabei sind alle Altersgruppen eingeschlossen. Ich denke mir, daß diese öffentliche Erscheinung für asiatische Besucher eher schockierend sein muß.
Das ständige "Mampfen" und "Nuckeln" (aus Frustrationen?) im Gehen und Stehen auf der Straße, ohne die Einhaltung regelmäßiger Eßzeiten, wurde ja noch vor ein paar Jahren als gesundes "Snacking" propagiert.
Dabei täte es wohl so mancher Bauchspeicheldrüse gut, in ihrer Funktion mal ein paar Stunden "herunterzufahren". Vielleicht würde das auch ein Beitrag zur Senkung von Diabetes sein.
Die fettreiche und zuckersüße Ernährung sowie bewegungsarme Lebensweise dürfte nach US-amerikanischem (Negativ-)Vorbild längst Ausgangspunkt und Grundlage für die meisten Zivilisations-Krankheiten unserer nordeuropäischen Gesellschaften geworden sein. Erinnern wir uns, daß die "Völlerei" eine der klassischen Todsünden ist.
Insofern hätten die Krankenkassen gewiß ein Recht, bei unterlassener Gewichtsreduzierung die individuellen Beiträge zu erhöhen. Und der öffentliche Dienstherr hätte in manchen Fällen Grund, eine Einstellung oder Beförderung wg. offensichtlicher Inaktivität zu verweigern.
Jeder von uns kann bei seinen südländischen Reisen feststellen, daß dort -bei aller Genußfreude- nach guter alter Sitte überhaupt nur am Tisch (zu Hause oder in der Wirtschaft) gegessen und getrunken wird, und dies i.d.Regel gemeinschaftlich.
Dr.med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »
[07.09.2012, 10:22:33]
Dr. Walther J. Kirschner 
Bewegungsmangel - signifikanter Faktor multipler chronischer Erkrankungen
Die GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell)benennt einige empirische epidemiologische Daten bezogen auf 'über 65-Jährige', 'chronische Erkrankungen', 'Adipositas' und 'Gesundheitsverhalten'.

Allerdings werden nur wenige 'valide' Parameter benannt - trotz umfangreichen Zahlenmaterials. Gleichzeitig erfolgen jedoch definitive Schlußfolgerungen. Dieser Vorgang ist sehr fragwürdig. Dabei fehlen wichtige Kontext-Fragestellungen, um zentrale Fragen zu beantworten.

So ist es z. B. keine primär relevante Fragestellung, ob einige Probanden ihre Gesundheit pauschal als gut bezeichnen, wenn keine spezifischen Fragen zum Thema (subjektiv, objektiv, externe Daten/Erkrankungsregister etc.)näher untersucht werden. Dann aber zu schlußfolgern, den meisten Deutschen gehe es gesundheitlich gut und dies zusätzlich als erfeulichen Trend auszuweisen, ist zum Einen falsch, zum Anderen nach Prinzipien der schließenden Statistik wissenschaftlich nicht zulässig.

Interpretierende Aussagen zum Gesundheitszustand und zu medizinischen Parametern sind auf diese Weise nicht valide, damit auch weder medizinisch-wissenschaftlich, noch gesundheitspolitisch nutzbar - bei Fehlschlüssen wären Fehlentscheidungen/-entwicklungen programmiert.

Strukturell entscheidend für chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Adipositas, chronische Gelenk- und Rückenschmerzen, chronische Nacken-Kopf-Schmerzen u.a. ist z.B. der Faktor 'Bewegungsmangel' und weitere assoziierte Co-Bedingungen (defizitäre Konditionierung, unphysiologische Bewegungs-/Belastungsmuster in Beruf und Freizeit, psychisch-physische Dysbalancen, diverse Noxen mit pathologischen Dauerirritationen. - Bereits diese komplexe Situation zeigt, daß ein Minimum zentral beteiligter Parameter strukturell in einer systematischen Untersuchung erfaßt sein muß, ansonsten sind valide Aussagen (Schlußfolgerungen) nicht möglich (zumindest wissenschaftlich).

In der Konsequenz wäre den Studienleitern eine differenziertere Nachfolgestudie zu empfehlen.

Dr. Walther Kirschner
FA Orthopädie et al.  zum Beitrag »

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