Ärzte Zeitung, 18.10.2012

Hausärzte und Apotheker

Auf der Suche nach der Compliance-Formel

Hand in Hand für eine bessere Therapietreue: In einer neuartigen Studie soll die Compliance von Senioren mit chronischer Herzschwäche verbessert werden - und je 300 Arztpraxen und Apotheken machen mit.

Auf der Suche nach der Compliance-Formel

Die Studienteilnehmer sollen ihre Wochenration von Medikamenten in den beteiligten Apotheken abholen.

© Udo Kroener / fotolia.com

BERLIN (af). Hausärzte und Apotheker arbeiten Hand in Hand an einer Studie mit, die die Therapietreue älterer Patienten mit chronischer Herzschwäche verbessern soll.

Aufgelegt haben die im Oktober angelaufene Untersuchung die Universität Saarland und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), die ihr Projekt am Donnerstag in Berlin vorstellten.

Zentraler Bestandteil der Untersuchung ist der wöchentliche Besuch der Patienten in ihrer Studien-Apotheke, um die Wochenration von Medikamenten abzuholen.

Zuvor sollen die Hausärzte und Apotheker sämtliche Medikamente erfassen, die ein Patient einnimmt, und einen sicheren Medikamentionsplan aufstellen, erläuterten die Studienleiter Professor Ulrich Laufs und Professor Martin Schulz von der ABDA.

Je 300 Praxen und Apotheken nehmen teil

Mehr als 2.000 über 65 Jahre alte Patienten mit Herzinsuffizienz sollen an dem bis März 2015 angelegten "Pharm-CHF" (Pharmacy-based interdisciplinary Program for Patients with Chronic Heart Failure) teilnehmen.

Rund 300 Arztpraxen und 300 Apotheken zunächst im Saarland und Rheinland-Pfalz, später auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern betreuen die Teilnehmer aus der Interventionsgruppe. Randomisiert werden die Patienten beim Arzt. Die Apotheker kennen die Teilnehmer der Kontrollgruppe nicht.

Die industrieunabhängige Studie sei weltweit ohne Vorbild, sagten die Wissenschaftler. Ziel sei es zu untersuchen, ob die regelmäßige Betreuung der Medikation Arzneimittelrisiken, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle vermindern könne.

Eine Stärkung der Compliance sei telemedizinisch noch nicht zu erreichen, betonten Laufs und Schulz. Die Rollen des Hausarztes als Lotsen und die der Apotheke als Sicherheitsinstitution sei noch nicht zu ersetzen.

[19.10.2012, 12:13:45]
Klaus-Dieter Thill 
ABDA-Studie zur Verbesserung der Therapietreue älterer Patienten mit chronischer Herzschwäche: Eine Adhärenz-Förderung wäre besser
In der Ausgabe der Ärzte Zeitung vom 18.10.12 beschäftigt sich der Beitrag „Auf der Suche nach der Compliance-Formel“ (http://bit.ly/T4xCd9 ) mit einer Studie, bei der Hausärzte und Apotheker die Therapietreue älterer Patienten mit chronischer Herzschwäche verbessern wollen. „Zentraler Bestandteil der Untersuchung ist der wöchentliche Besuch der Patienten in ihrer Studien-Apotheke, um die Wochenration von Medikamenten abzuholen. Zuvor sollen die Hausärzte und Apotheker sämtliche Medikamente erfassen, die ein Patient einnimmt, und einen sicheren Medikamentionsplan aufstellen, erläuterten die Studienleiter Professor Ulrich Laufs und Professor Martin Schulz von der ABDA.“ Dabei stellt sich die Frage, ob ein solcher rein organisatorisch basierter, die Patienten entmündigender Ansatz wirklich zielführend ist. Denn es erfolgt keine intensivere und bessere Aufklärung, wie sie eigentlich notwendig wäre, sondern eine Überwachung durch Rationierung und Zuteilung. Niedergelassene Ärzte klagen immer wieder über eine unzureichende Medikamenten-Compliance ihrer Patienten. Untersuchungen (http://bit.ly/KqbEiR, http://bit.ly/Ny3jYG ) zeigen jedoch, dass sie für diese Situation zum Teil aufgrund einer zu geringen Information über Therapien und Präparate selbst verantwortlich sind. So werden z. B. 56% der Arzthelferinnen regelmäßig von Patienten nach deren Arztkontakten zu den ihnen verschriebenen Medikamenten befragt. Aber auch Apotheker und das Internet füllen die „Information-Lücke“ (http://bit.ly/Ny3jYG ). Insgesamt ist das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema „Gesundheit“ deutlich gestiegen und die Haltung der Patienten gegenüber Ärzten verändert sich. Gesucht werden vor allem partnerschaftlich agierende Berater. Deshalb sind - mittelfristig betrachtet - ausschließlich Adhärenz-fördernde Ansätze der Schlüssel zu besseren Therapie-Ergebnissen. zum Beitrag »

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