Krebs-Arzneien

Zusatznutzen oft unklar

Forschungsergebnisse brauchen lange, bis sie vom Labor in der Praxis ankommen, warnen Experten. Es fehlen Studien, die den Nutzen für Patienten zeigen.

Von Johanna Dielmann-von Berg Veröffentlicht:

BERLIN. Neue Erkenntnisse aus der Krebsforschung kommen kaum bei den Patienten an. Grundlagen-, präklinische und klinische Forschung in Deutschland müssen daher noch besser ineinander greifen.

Das betonten die vom Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung geladenen Experten bei einem Fachgespräch am Mittwoch in Berlin.

Professor Wolf-Dieter Ludwig, Onkologe im Helios-Klinikum Berlin-Buch und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, sprach von einer "Innovationskrise".

"In den USA sind 39 neue Wirkstoffe auf den Markt gekommen, aber wir können nicht einschätzen, welche Patienten davon profitieren", sagte Ludwig.

So hätten viele Hersteller an Tyrosinkinasehemmern geforscht. Es gebe aber keine direkten Vergleichsstudien zwischen den Medikamenten, weil dies die Unternehmen nicht bräuchten. Die Daten aus der Zulassung reichten hierzu nicht.

"Deswegen brauchen wir nach dem GBA-Beschluss ein Gremium, das unabhängige Versorgungsforschung betreibt", so Ludwig.

"Forschung an Biomarkern muss gefördert werden"

Alle sechs Experten forderten daher, unabhängige Forschung mehr zu fördern, um sie stärker an den Bedürfnissen der Patienten und nicht an Substanzen auszurichten. Ein wichtiger Ansatzpunkt seien Therapieoptimierungsstudien, die etwa Kombinationen von Behandlungsmaßnahmen untersuchen.

Auch an Biomarkern könnten Ärzte vor Therapiebeginn erkennen, wem sie nutzen.

"Die Forschung an Biomarkern muss gefördert werden", sagte Professor Otmar Wiestler vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Weniger bürokratische Hürden gefordert

Ein weiterer Aspekt ist das Personal: "Wir haben zu wenige Clinical Scientist, also Ärzte, die forschen und Patienten versorgen", machte Professor Michael Baumann vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden deutlich.

Dafür gebe es zwei Gründe, diese Ärzte verdienten zu wenig und in Kliniken gebe es kaum Stellen für sie.

Einig waren sich die Experten auch darin, dass mehr finanzielle Mittel nötig sind, etwa um interdisziplinäre Forschung wie in Comprehensive Cancer Centern sowie Kooperationen zwischen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen wie Helmholtz-Zentren zu unterstützen.

Zudem müssten bürokratische Hürden für öffentliche Studien abgebaut werden, sodass zum Beispiel Fördergelder schneller bewilligt würden, sagte Professor Hubert Serve, Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt.

Auch seien die Therapiekosten für öffentliche Studien zu Krebserkrankungen sehr hoch.

Erkrankungswelle kommt auf Gesellschaft zu

Ein guter Ansatzpunkt sei die Präventionsforschung, merkte Dr. Jutta Hübner, Deutsche Krebsgesellschaft Berlin, an. Sie warnte, dass aufgrund des ungesunden Lebensstils von Kindern und Jugendlichen, eine Erkrankungswelle auf die Gesellschaft zukomme.

Krankheiten wie Alzheimer und auch Krebs träten dann nicht erst vermehrt im Alter auf, sondern bereits zwischen 40 und 50 Jahren.

Hübner empfahl daher, schon bei der U1 auf präventive Effekte eines gesunden Lebensstils hinzuweisen und Kinder in Kitas und Schulen zu mehr Bewegung anzuregen.

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