Ärzte Zeitung, 06.05.2013

Vergleich GKV vs. PKV

20 Tage länger warten

Eine Telefonumfrage bei 470 Praxen in Hessen lässt aufhorchen: Im Schnitt warten GKV-Patienten 20 Tage länger als PKV-Versicherte auf einen Facharzttermin.

Von Rebecca Beerheide

20 Tage länger warten

Patienten müssen oft Geduld aufbringen, bis sie es in die Wartezimmer der Fachärzte schaffen.

© Getty Images/Fuse

FRANKFURT. In Hessen warten gesetzlich Versicherte im Schnitt 20 Tage länger auf einen Facharzttermin als privat Versicherte.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bundestagsabgeordneten Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen, die der "Ärzte Zeitung " vorliegt.

In der telefonischen Umfrage wurden ingesamt 470 Facharztpraxen in kurzen Abständen angerufen - einmal mit dem Terminwunsch eines GKV-Versicherten, einmal als PKV-Versicherte.

Deutliche Unterschiede zeigen sich in den Regionen. Während in Städten wie Frankfurt und Wiesbaden die fiktiven GKV-Patienten zwölf beziehungsweise elf Tage länger hätten warten müssen, waren es in Hanau 36 Tage und in Darmstadt 33 Tage.

Selbst in ländlichen Regionen wie Marburg, Wetzlar oder Limburg musste 14 Tage länger gewartet werden, in Fulda 21 Tage.

Besonders lange Wartezeiten bei Augenärzten, Neurologen, Dermatologen

Die Untersuchung hat laut der Grünen-Politikerin Maisch ergeben, dass bei 25 Prozent der angerufenen Praxen kaum Unterschiede bei den angebotenen Wartezeiten zu erkennen waren.

Allerdings gibt es auch vereinzelte "Spitzenreiter", die GKV-Versicherten einen Termin ein Jahr nach der Anfrage anboten, ein Privatversicherter hätte nach 44 Tagen zur Sprechstunde kommen können.

Besonders lange warten der Studie zufolge GKV-Versicherte bei Augenärzten, Neurologen und Dermatologen -  53, 49 und 43 Tage. In den gleichen Fachgebieten warten PKV-Versicherte 20 bis 25 Tage.

In der hessischen Berufspolitik werden die Ergebnisse zurückgewiesen oder inhaltlich nicht kommentiert.

"Ärzte vergeben Termine nach medizinischen Gesichtspunkten - und dies unabhängig davon, ob ein Patient privat oder gesetzlich krankenversichert ist", erklärt Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer.

Die Untersuchung zeige viel eher die "terminliche Auslastung niedergelassener Ärztinnen und Ärzte", so der Kammerpräsident in einer Mitteilung.

Spärlicher Kommentar der KV Hessen

Die KV Hessen sieht sich nicht in der Lage, die Ergebnisse inhaltlich zu kommentieren. "Aus unserer Sicht ist es nicht möglich, konkret auf die Ergebnisse der Anfrage einzugehen", heißt es auf Anfrage.

Allerdings: "Bei Augenärzten kann es sein, dass deren finanzielle Situation besonders prekär ist."

Nach Angaben der KV Hessen sind die Versicherten im Land mit den Wartezeiten in der Praxis zu frieden. Dies habe eine KBV-Umfrage im Jahr 2008 ergeben.

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