Ärzte Zeitung, 17.04.2013

Qualitätszirkel

Hausärzte sind die Vorreiter

Qualitätszirkel mausern sich zum Erfolgmodell: Immer mehr Ärzte akzeptieren die Runden, weil sie sich an der Praxis orientieren. Eine Region macht sogar vor, wie mit Qualitätszirkel Geld eingespart werden kann.

Von Angela Misslbeck

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Kritischer Erfahrungsaustausch unter Kollegen: Für Hausärzte ein wichtiges Korrektiv.

© Cultura Images / F1online

BERLIN. Qualitätszirkel sind ein Erfolgsmodell in der ambulanten Versorgung. Mehr als 80.000 Ärzte sind in solchen kollegialen Gremien des Qualitätsmanagements engagiert. Rund 8900 Qualitätszirkel zählt die KBV. Hausärzte sind vorne dabei.

"Es ist ein flächendeckendes Angebot an Qualitätszirkeln erreicht worden. Die Unterstützung für Moderatoren und Gruppen ist allerdings regional unterschiedlich", sagte der Allgemeinmediziner und Versorgungsforscher Professor Joachim Szecsenyi beim Symposium "Ergebnisverbesserung durch Qualitätsmanagement" der Bundesärztekammer (BÄK) am Dienstag in Berlin.

Mehr als 8000 Ärzte sind nach seinen Angaben als Moderatoren geschult. Untersuchungen haben laut Szecsenyi schon in der Anfangszeit der Qualitätszirkel in den 1990er Jahren gezeigt, dass es eine hohe Zufriedenheit bei Moderatoren und Teilnehmern gebe.

Szecsenyi, Chef des AQUA-Instituts und des Instituts für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Uniklinik Heidelberg, hat in einer sogenannten Basisevaluation die Entwicklung der Qualitätszirkel für den Zeitraum 1997 bis 2007 untersucht.

Ein Ergebnis: Hausärzte sind mit einem Anteil von 32,8 Prozent und Psychotherapeuten mit einem Anteil von 30,8 Prozent aller in Qualitätszirkeln organisierten Ärzte am aktivsten.

Als Erfolg der Qualitätszirkel wertet Szecsenyi, dass in über 90 Prozent der Treffen neue Versorgungsaspekte aufgezeigt werden konnten.

Es muss noch mehr geschehen

"Viele Gruppen treffen Absprachen und diskutieren ein gemeinsames Vorgehen, zum Beispiel hinsichtlich der Leitlinienumsetzung. Immerhin ein Drittel der Teilnehmer gab an, dass es auch im Praxisalltag Veränderungen gegeben hat", sagte Szecsenyi.

Für daten- oder indikatorengestützte Qualitätszirkel für Pharmakotherapie hat Szecsenyi Auswirkungen auf die Versorgung nachgewiesen. Rund 3500 Ärzte nehmen in Baden-Württemberg im Rahmen des Hausarzt-Vertrags an solchen Qualitätszirkeln teil.

Die Ärzte erhalten Daten zu Patienten mit Polymedikation und diskutieren Patienten-Beispiele.

Mehrere Studien haben laut Szecsenyi gezeigt, dass durch solche Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie moderate Einsparungen erzielt werden können. Die Ärzte seien danach zurückhaltender und kritischer im Umgang mit Arzneimitteln.

Auch der Antibiotikaeinsatz verbessere sich. Verordnungsrückgänge nach der Mitwirkung an einem Qualitätszirkel zur Pharmakotherapie stellte Szecsenyi bei Analogpräparaten und inadäquaten Wirkstoffen fest.

Die Ärzte bevorzugen dann Generika. Es zeigten sich aber auch Kostenanstiege in Bereichen, wo das nötig ist. So seien mehr Inhalierdosen an Patienten mit Atemwegserkrankungen verordnet worden. Szecsenyis Fazit: "Es muss noch mehr geschehen in Sachen Qualitätszirkel."

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