Ärzte Zeitung, 02.10.2013

Kommentar zur IW-Studie

Vom Wert der Zahlen

Von Florian Staeck

Manchmal ist es ein Kreuz mit wissenschaftlicher Expertise: Sie beantwortet Fragen, die gar nicht im Zentrum des Interesses stehen.

Ähnlich verhält es sich mit der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum Arbeitsmarkt für Ärzte. Ohne Zweifel ist es eine gute Nachricht, dass in den kommenden 15 Jahren offensichtlich kein flächendeckender Ärztemangel zu erwarten ist.

Dabei betonen die Autoren, was in der öffentlichen Diskussion oft hinten runter fällt: Deutschland profitiert von der Immigration durch ausländische Ärzte. Die Forscher beziffern den dadurch erzielten volkswirtschaftlichen Vorteil auf rund fünf Milliarden Euro.

Das, was die verantwortlichen Akteure im Gesundheitswesen umtreibt, schrumpft in der Studie zur Nebensache: Zwar stehen nominell künftig genug Ärzte bereit, um die zahlenmäßig starke Gruppe älterer Ärzte, die in den Ruhestand gehen, zu ersetzen.

Die entscheidende Verteilungsfrage - vulgo: die Sicherstellung - ist damit noch nicht beantwortet. Der Hausarzt, der 60 Stunden in der eigenen Praxis verbringt, wird zur raren Spezies. Die Wünsche des ärztlichen Nachwuchses mit den Versorgungsnotwendigkeiten auf einen Nenner zu bringen - das ist die Herausforderung, die zu bewältigen viele Studien wert wäre.

Lesen Sie dazu auch:
IW-Studie: Forscher finden keinen Ärztemangel

[02.10.2013, 09:19:01]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Vom Wert der Überschrift
Ein echter "brain drain" ist der Titel dieser "Studie" des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Überschrift "Der Arbeitsmarkt für Humanmediziner und Ärzte in Deutschland – Zuwanderung verhindert Engpässe" belegt genau die demografisch belegbaren Versorgungsengpässe, die mit veralteten Zahlen von den Autoren bestritten werden. Denn wozu dient wohl eine erhebliche Mediziner-Zuwanderung nach Deutschland?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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